Eine für alle, alle für eine

© Foto: IMDb, 2020

Auch in häuslicher Isolation heißt es für mich Business as usual: viele Filme und Serien konsumieren. Da ich nun noch mehr Zeit dazu habe, fallen mir auch die ein oder anderen ungewöhnlichen Fundstücke ins Auge. So habe ich am letzten Wochenende The Hockey Girls geschaut und war ganz begeistert von den Charakteren. Jetzt wünsche ich mir die zweite Staffel auf Netflix herbei und dachte mir, zur Überbrückung gibt es eine Rezension der ersten 13 Folgen.

Die Handlung ist schnell erklärt: Das weibliche Roller-Hockeyteam (oder Inlinehockey, wie es weniger cool im Deutschen heißt) des Club Pati Minerva muss sich innerhalb einer Saison beweisen, um weiterhin für den Club spielen zu dürfen. Ein Versagen würde bedeuten, dass die Mädchen sich trennen und zu anderen Mannschaften wechseln. Da diese bedeutende Saison zeitgleich auch ihr letztes Schuljahr ist, haben sie an verschiedenen Fronten zu kämpfen. So begleiten wir die sieben Hockeyspielerinnen durch ein emotionales Auf und Ab hinsichtlich ihres Lieblingssportes, Abschlussprüfungen, Familienschicksalen, Beziehungsdramen und vor allem der untereinander herrschenden Freundschaft. Mit dabei sind die Herausforderungen, denen sich Mädchen und Frauen alltäglich zu stellen haben. Angefangen bei der Tatsache, dass das männliche Hockeyteam des Clubs keinen Beweis für seine Mitgliedschaft zu erbringen hat. Da die Handlung sich so schnell zusammenfassen lässt, stelle ich euch gerne noch die Mädchen vor. Sie sind großartige Charaktere. Nicht immer liebenswert, doch dafür echt, weil sie vielschichtig und menschlich sind und keine Klischees bedienen.

Die temperamentvolle Emma interessiert sich als Adoptivkind immer mehr für ihre Wurzeln, während ihre ältere Adoptivschwester als Trainerin der Mannschaft engagiert wird. Unter anderem bringt Emma das dazu, einen Mannschaftswechsel in Betracht zu ziehen. Doch kann sie ihre Freundinnen im Stich lassen? Berta ist bei ihrer Tante aufgewachsen, da ihre Mutter aufgrund von Schizophrenie eingewiesen wurde. Ihr Ziel ist es Ärztin zu werden, was Berta zu motiviertesten Schülerin macht. Doch zunächst kommt ihr eine ungewollte Schwangerschaft in die Quere. Freigeist Lorena möchte es ihrem Vater nachtun und um die Welt reisen. Ihre Mutter wünscht sich, dass die Tochter doch erstmal die Schule zu Ende bringt und auf die Uni geht. Ein Schicksalsschlag bringt die Pläne der beiden durcheinander und sorgt für ständige Meinungswechsel. Raquel kommt aus einem wohlhabenden jedoch distanzierten Elternhaus. Während sie früher für elterliche Aufmerksamkeit rebellierte, hat sie jetzt das Team als emotionalen Support. Doch momentan investieren alle viel mehr Zeit in ihre Zukunftspläne und Raquel sucht Wege, um mit der Situation umzugehen. Durch ein Leben mit diversen Wohnsitzwechseln freut Flor sich sehr endlich Anschluss durch die Mannschaft gefunden zu haben. Auf der anderen Seite leidet ihre Fernbeziehung stark, da ihre Freundin sich mehr Kontakt wünscht, während Flor mit Training und Schule voll eingebunden ist. Gina kommt als neue Spielerin dazu und sucht erstmal den Anschluss. Dabei beginnen sie und Lorena eine Art Beziehung, doch haben beide recht unterschiedliche Vorstellungen inwieweit ein junger Mensch sich beziehungstechnisch auszuleben hat. So wird Gina mit der Frage konfrontiert wie viel Selbstaufgabe ihr Liebe wert ist. Aufgrund ihres ADHS ist Laila sich sicher, dass sie die Prüfungen nicht besteht. Ihre Eltern überlegen, ob es an der Zeit ist eine medikamentöse Behandlung in Betracht zu ziehen. Laila möchte einfach nur skaten, zeichnen und Hockey spielen. Wer wird sich durchsetzen?

The Hockey Girls hat es geschafft, dass ich innerhalb kürzester Zeit in die Schicksale der Mädchen und ihrer Familien involviert war. Das entscheidende Spiel am Ende der Saison hat mir einen Adrenalinschub verpasst. Dabei finde ich Sportspiele mal so überhaupt nicht interessant und wir sprechen hier von Hockey… Die behandelten Probleme sind so lebensnah und mir gefällt besonders, wie ein Großteil der Eltern gemeinsam mit den fast erwachsenen Töchtern diese Probleme angehen und wie offen die Kommunikation ist. Die gezeigten zwischenmenschlichen Beziehungen werden genauso behandelt: realitätsnah und mit Feingefühl. Einziger Knackpunkt: Es gibt keine deutsche Synchro und die englische ist unglaublich schlecht, da die Lippenbewegungen zu 90 Prozent der Zeit nicht passen. Meine Empfehlung: Schaut es im katalanischen Original mit deutschen Untertiteln. Ich freu mich auf jeden Fall auf die zweite Staffel.

Georgia

Erschaffen von: Núria Parera
Serientitel: The Hockey Girls (Les de l’hoquei)
Ausgestrahlt: seit 2019

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