Du darfst nur mir gehören!

© Foto: Kristina, 2020

Camargo, Chefredakteur einer großen argentinischen Zeitung. Eine Frau aus der Wohnung gegenüber, die er Nacht für Nacht beobachtet. Reina, ehrgeizge Redakteurin, die sich mit einem mehr oder eigentlich sogar weniger gut geschriebenen Artikel Camargos Aufmerksamkeit verdient.  Und Karriere macht. Mögen die Machtspiele beginnen.

Camargo ist besessen von der Frau  gegenüber. Wie ein perverser Stalker spioniert er alles von ihr aus, beobachtet sie durch Teleskop und Kamera, immer und immer wieder. Beschäftigt er sich gerade nicht mit ihr, hat ihn seine zweite Besessenheit voll im Griff: sein Job. Den er zugegebenermaßen wirklich gut macht. Er will alle dreckigen Geschäfte im Land aufdecken und Korruption bekämpfen. So sehr er sich hier für das Gute einsetzt, so wenig interessiert ihn das Leid seiner eigenen Familie. Die sterbenskranke Tochter? Ihm doch egal. Er hat einen Job zu erledigen! Ebenso wie seine Redakteure. Neu im Team ist die zielstrebige Reina Remis. Camargo erkennt sich in ihr wieder und fördert sie. Mit ihrer Hilfe kann er einen religiösen Schwindel des Präsidenten aufdecken. Sie ist wirklich gut in dem, was sie tut. Daher gibt es nur eine Lösung: er muss sie haben… nein… besitzen! Und einem Camargo nimmt man auch Nichts weg. Nicht ihm. Als Reina sich in einen Journalisten aus Bogotá verliebt, schmiedet er einen Plan, um sie wieder nur für sich zu haben. Und dieser ist nicht kitschig-romantisch, sondern einfach nur widerlich.

Rückwirkend frage ich mich, was ich von dem Buch eigentlich erwartet habe. Eine Geschichte über eine starke Frau mit spannenden journalistischen Enthüllungen? Ein wenig bestimmt. Wobei schon laut Klappentext klar war, dass es um mehr geht. Camargo ist die Hauptfigur und von Machtphantasien eingenommen. Wohin sollte das Ganze führen? Ich hatte zum Zeitpunkt als ich das Buch auswählte leider keine Ahnung.

Unter einer Deutschklausur in Klasse 10 hatte meine Lehrerin neben den grandiosen 6 Punkten notiert „Der Text wurde nicht verstanden“, womit sie vollkommen Recht hatte. Ein ähnliches Gefühl wie damals beim Lesen des Klausurtextes hat mich beim Lesen dieses Buches ereilt. Zu oft ging mir „Häh?“ durch den Kopf. Zeitsprünge, parallele Erzählstränge und dann noch aus meiner Sicht manch unlogische Handlung machten das Buch zu einer Qual für mich.
Während einige Menschen durch das Buch in Tomas Eloy Martinez den Aufklärer sehen, der Stellung gegen den lateinamerikanischen Chauvinismus bezieht und so toll gegen Korruption kämpft, habe ich mich stellenweise vor der Hauptfigur Camargo einfach nur geekelt, so das alles andere in den Hintergrund getreten ist.

Ganz klar keine Leseempfehlung.

Kristina

Autor: Tomas Eloy Martinez
Buchtitel:
Der Flug der Königin
Übersetzung: Aus dem Spanischen von Peter Schwaar
Verlag:
Suhrkamp Verlag

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