Ein märchenhaftes Spiel von Licht und Dunkelheit

© Foto: Katrin, 2020

Ich tue mich häufig schwer damit, ein PC-Spiel zu finden, das mich fesselt. Umso schöner ist es, letztendlich doch noch etwas zu entdecken, bei dem alles stimmt: Story, Grafik, Gameplay, Musik. Da stört es mich dann auch nicht, wenn das Spiel bereits etwas älter ist. Was mich zuletzt so beigeistert hat? Das kleine, aber feine Spiel Child of Light von Ubisoft.

Es war einmal ein Königspaar, dem ward eine Tochter geboren. Aurora nannten sie das Mädchen mit dem roten Haar und waren voller Hoffnung auf eine strahlende Zukunft. Doch leider starb die Königin und hinterließ eine Lücke in deren Leben. Jahre später, Aurora ist zu einem hübschen Mädchen herangewachsen, verliebt sich der König erneut in eine schöne Frau und macht sie zu seiner neuen Königin. Kurz darauf wird Aurora schwer krank. Sie fällt in tiefen, unruhigen Schlaf und ihr Vater fürchtet um das Leben seiner geliebten Tochter. Als Aurora schließlich wieder erwacht, findet sie sich allein auf einem steinernen Schrein wieder, umgeben von einem fremden Wald mit seltsamen Wesen. Ängstlich macht sie sich auf die Suche nach einem Rückweg zu ihrem Vater. Was sie stattdessen findet, sind ein freundliches Lichtwesen namens Igniculus und ein viel zu großes Schwert, mit deren Hilfe sie die Monster bekämpfen kann, welche überall lauern. Wird sie ihren Vater je wiedersehen?

Der Anfang kam mir merkwürdig vertraut vor, weist er doch unverkennbare Parallelen zum Märchen Schneewittchen auf. Überhaupt fühlt sich das ganze Spiel sehr märchenhaft an. Im Laufe der Geschichte hat Aurora immer wieder Visionen von den Vorgängen in ihrer Realität. So sieht sie ihren gramgebeugten Vater, der durch ihren scheinbaren Tod ebenfalls schwer erkrankt ist. Recht schnell findet sie heraus, dass sie in einem Reich namens Lemuria gelandet ist, dem von einer dunklen Herrscherin namens Umbra Sonne, Mond und Sterne gestohlen wurden. Um nach Hause zurückzukehren, muss sie diese wiederfinden und die Königin besiegen. Aber der Weg dorthin ist lang und voller Gefahren – und die Zeit drängt. Nur gut, dass Aurora in jedem Kapitel des Spiels einen neuen Gefährten kennenlernt, der ihr hilfreich zur Seite steht.

Wie der Titel bereits erahnen lässt, ist das königliche Mädchen die Lichtgestalt im Spiel. Deutlich spiegelt sich das in der zauberhaften Grafik wider. Laufend, springend und sogar fliegend bewegt sie sich durch eine detaillreiche Welt, die zahlreiche Windungen aufweist und Geheimnisse birgt. Stets an ihrer Seite ist der Lichtgeist Igniculus, der auf der Oberwelt Schalter betätigen oder Items einsammeln kann. Während der Kämpfe unterstützt er mit Heilkräften oder kann das Tempo der gegenerischen Angreifer verlangsamen.

Überhaupt finde ich das Gameplay des Spiels sehr ausgewogen. Die Jump´n Run Passagen sind herrlich entspannt. Aurora bewegt sich frei und ohne Zeitdruck durch die Welt, bis sie auf einen Gegner trifft und das Spiel in den rundenbasierten Kampf umschaltet. Je nachdem, ob Aurora ihren Feind überrumpelt oder selbst überrascht wird, bestimmt eine Zeitleiste, wer zuerst angreifen darf. Denn jedem ist ein Tempo zugeordnet und auch die einzelnen Attacken benötigten mehr oder weniger Vorbereitungszeit. Kämpft Aurora am Anfang noch allein, kann man später einen seiner Gefährten wählen, der mit magischen oder physischen Attacken mit ihr in die Schlacht zieht. Jeder der Gefährten hat einen Fähigkeiten-Baum, der nach jedem Levelanstieg in Richtung Angriff, Verteidigung oder Magie entwickelt werden kann. Damit lassen sich im Laufe der Zeit nützliche Fähigkeiten freischalten: von Magie-Attacken, die die Gegner verlangsamen, über Heilzauber, bis hin zu mächtigen Elementarangriffen.

Aber auch die kleinen Nebenaufgaben motivieren sehr. Alle Charakter bringen ihre eigene Hintergrundgeschichte mit, die zu lösen ist. Außerdem findet man in den Leveln unzählige Schatztruhen, die nicht nur Tränke enthalten, sondern vor allem wertvolle Edelsteine, mit denen die Figuren ausgerüstet werden können. Diese lassen sich auf verschiedene Art kombinieren und haben diverse positive Effekte. So können zum Beispiel magische Fähigkeiten, der Angriff oder die Widerstandskraft der Charaktere gestärkt werden. Ich fand das wirklich interessant und habe ziemlich viel Zeit damit verbracht auszuknobeln, welche Kombination von Steinen meinen Figuren am besten nützt.

Was mich ebenfalls von Anfang an begeistert hat, ist der wunderbare Soundtrack des Spiels. Die kanadische Singer-Songwriterin Cœur de Pirate schafft mit ihren Melodien eine wunderbare Atmosphäre, mal melancholisch, mal kämpferisch-motivierend. Ihre Musik rundet das Spiel ab und macht es zu etwas Besonderem, sodass ich die Titelmelodie tagelang als Ohrwurm im Kopf hatte. Insgesamt hat mich am Spiel nur eine kleine Sache gestört: die Reimform der Dialoge. In der englischen Fassung ist diese ziemlich gelungen, doch bei der deutschen Übersetzung haben sich die Macher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Häufig fand ich die gewählten Wendungen sperrig und inhaltlich belanglos. Nicht nur einmal dachte ich mir: also DAS hätte ich besser hinbekommen …

Nichtsdestotrotz ist das an dieser Stelle mal wieder Meckern auf hohem Niveau. Ich habe etwa 30 sehr vergnügliche Spielstunden mit Child of Light verbracht und werde es sicher noch einmal spielen. Einen solch ausgewogenen Genremix aus Jump´n Run, rundenbasiertem Rollenspiel und Adventure gibt es nicht häufig, finde ich. Für mich war dieses Spiel jedenfalls genau das Richtige und ich hoffe inständig, dass ich bald mal wieder auf eine solches Juwel stoßen werde.

Katrin

Leitender Entwickler: Patrick Plourde
Studio: Ubisoft Montreal
Titel: Child of Light

Publisher: Ubisoft
Veröffentlicht: 2014

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