Ein Herz für Western: Der Weg nach Westen ist steinig und schwer

© Foto: Karoline, 2020

Manche Bücher lassen dein Herz schneller schlagen. Für die einen sind es dramatische Liebesgeschichten, für mich sind es Western. Obwohl sich beide Genres thematisch gar nicht so sehr unterscheiden. Auch bei WEST fand ich Liebe, Sehnsucht, Eifersucht und Tragik – und das auf lediglich 204 Seiten!

Der junge Witwer und Maultierfarmer Cy Bellman ist rastlos. Seit er einen merkwürdigen Artikel in der Zeitung las, gehen ihm die Zeilen nicht mehr aus dem Kopf. Forscher hätten im Westen Amerikas riesige Knochen ausgegraben, die zu keinem bisher entdeckten Tier passen wollen. Sein Forscherdrang ist geweckt.

Wahrscheinlich war er schon immer da, denn sonst hätte es ihn nicht von Irland nach Amerika verschlagen. Seine Schwester ist von der Idee einer Entdeckungstour weniger begeistert, denn sie soll in den kommenden Monaten bzw. Jahren ein Auge auf Cys zehnjährige Tochter Bess und die Maultiere haben. Sie lässt keine Gelegenheit verstreichen, alle Anwesenden über die Verrücktheit ihres Bruders zu informieren. Doch seine kleine Tochter Bess glaubt fest an ihn. Mit zahlreichen Utensilien (zum Tauschhandel mit Indianern) bepackt macht Cy sich auf eine jahrelange Reise, immer auf der Suche nach den großen Tieren, während seine Tochter zuhause mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat.

Natürlich wissen wir, wie erfolgreich die Suche verlaufen wird und dass die riesigen Knochen schlicht und einfach einst zu Dinosauriern gehörten. Doch allein auf die Idee zu kommen, einen Western zu diesem Thema zu schreiben, fand ich grandios. Die Geschichte beleuchtet sehr einfühlsam den inneren Zwiespalt des Vaters, der einerseits diesen unerschöpflichen Tatendrang besitzt und doch ein schlechtes Gewissen hat, sein einziges Kind allein zurückzulassen. Doch auch die Gefühlswelt des kleinen Mädchens wird wunderbar beschrieben. In Cys Abwesenheit wächst sie zu einer jungen Frau heran, der die Männer nachstellen. Sie kann sich niemandem anvertrauen und flüchtet sich ähnlich wie ihr Vater in Tagträume.

Mit dem Ende der Geschichte hatte ich nicht gerechnet. Es ist bittersüß, auf gleiche Weise zufriedenstellend wie unbefriedigend und ich ertappe mich noch Tage später dabei, über die tiefere Symbolik vieler Begebenheiten nachzudenken. WEST ist eine unbedingte Empfehlung an alle Western-Fans wie mich! Vielleicht wartet ihr aber lieber auf das Taschenbuch, denn das Hardcover war mit 20 Euro definitiv kein Schnäppchen.

Karoline

Autor: Carys Davies
Buchtitel: WEST
Übersetzung: Deutsch von Eva Bonné
Verlag: Luchterhand

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