Meine Reise in die Bachzeit

© Foto: Karoline, 2021

Seit Ewigkeiten stehen die drei historischen Sachbücher von Bruno Preisendörfer in meinem Regal. Einzig und allein die Trägheit meines Gehirns hinderte mich bisher am Lesen ebenjener Werke. Einen unverhofften Moment des kreativen Leerlaufs nutzend, schlug ich direkt zu und landete bei Als die Musik in Deutschland spielte. Gemeinsam mit dem Autor brach ich zu einer Reise in die Bachzeit auf.

Es ist nicht die erste Begegnung zwischen Herrn Preisendörfer und mir. Meine geliebte Oma machte mich mit ihm bekannt. Sie empfahl mir wärmstens sein erstes Buch Als unser Deutsch erfunden wurde – Reise in die Lutherzeit. Mit großer Freude las ich hinein und stellte fest, dass der Text sowohl anspruchsvoll in der Wortwahl als auch durch direkte Anrede im Plauderton verfasst war. Dennoch verlor ich Herrn Luther (zu Unrecht) aus den Augen und das Buch blieb halb gelesen in der Ecke liegen, bis ich es hoffentlich bald mal wieder entstauben werde. Das sollte mir mit Herrn Bach nicht so gehen, daher nutzte ich die frei gewordene Zeit, um mich intensiv seiner Epoche zu widmen.

Aber ach, im Gegensatz zu Luther wurde es mir hier und da recht schwer gemacht. Ich bin mir nicht sicher, woran es gelegen hat, denn der Aufbau ist ähnlich. In kleinen Abschnitten wird die komplette Epoche beleuchtet: die Politik, die Gesellschaft, das Alltagsleben, Essen, Liebe, Stadt und Land. Ich lernte Kammermohren kennen, singende Kastraten (nicht zu verwechseln mit Eunuchen!) und verfolgte das Leben der drei großen Komponisten dieser Zeit: Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel und natürlich der namensgebende Johann Sebastian Bach. Vielleicht waren es die stellenweise seitenlangen Zitate in Originalschreibweise der damaligen Zeit oder die ellenlangen Textauszüge zu Bachs Kantaten, die mir als Kind der heutigen Zeit viel zu schwülstig waren.

Dass Bach viele Jahre in Leipzig lebte und das Sachbuch daher einiges über die Stadt zu berichten wusste, hielt mich letztendlich bei der Stange und ließ mich trockene Passagen über die Habsburger sowie diverse Erbfolgekriege ertragen. Ich war fasziniert, dass bereits um 1750 die edlen alten Gebäude Leipzigs gelobt wurden. Die damaligen Hauptkirchen, in denen Herr Bach spielte, waren die Nikolai- und natürlich die Thomaskirche. Ich machte Bekanntschaft mit Lips Tullian, dem Anführer einer berüchtigten Räuberbande, die in Sachsen ihr Unwesen trieb. Und ich lernte, wie Familie Bach ihren Alltag bestritt. Familienoberhaupt Johann Sebastian lernte Leipzig nie lieben, eine echte Neuigkeit für mich!

Ganz besonders begeisterte mich der Abschnitt Fortschritte. Dass die Entstehung des Porzellans eigentlich auf den Missgeschicken eines deutschen Alchemisten beruhte, dass Dorothea Erxleben trotz ihrer zahlreichen männlichen Widersacher erfolgreich promovieren konnte, dass der Pfarrer Johann Peter Süßmilch die ersten Statistiken zu seinen Schäfchen verfasste (und damit anfing so etwas wie Volkszählung zu betreiben) waren für mich Neuigkeiten, die ich gierig aufsog. Genau wegen solcher Absätze wollte ich das Buch lesen. Auch aus den Kapiteln Weltliche Freuden und Irdisches Leid konnte ich zahlreiche amüsante sowie lehrreiche Informationen gewinnen. Wusstet ihr, dass das Kaffeetrinken der Frauen damals dem Laster des Pfeiferauchens bei Männern gleichgesetzt war? Ja, dass es sogar Gerüchte gab, dass Kaffee Hirngeschwüre verursachen kann? Auch war mir nicht bewusst, dass das allererste Thermometer, erfunden von Daniel Gabriel Fahrenheit, über einen halben Meter lang war! In meinem Geiste malte ich mir die wildesten Bilder aus, wie mit einem solchen Monstrum die Körpertemperatur gemessen wurde.

Mit meiner Reise in die Bachzeit habe ich nun wieder einen ordentlichen Schwung interessanter Anekdoten im Repertoire, die ich (um mich besonders beliebt zu machen) gezielt in zukünftige Gespräche einbauen werde. Übrigens steht das dritte Buch im Bunde Als Deutschland noch nicht Deutschland war – Reise in die Goethezeit ebenfalls in meinem Regal und wartet darauf, bald von mir verschlungen zu werden. Ein Hoch auf die Besserwisserei 😉

Karoline

Autor: Bruno Preisendörfer
Buchtitel: Als die Musik in Deutschland spielte – Reise in die Bachzeit
Verlag: Galiani Berlin

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