Eine Geschichte über Macht, Liebe und Gerechtigkeit

© Foto: Carmen, 2020

Als zum wiederholten Mal in meinem Kreuzworträtsel der Name Ivanhoe gesucht wurde, kam mir die Überlegung, dass ich dieses Buch doch mal wieder lesen sollte. Es war eines der ersten mit historischem Hintergrund, welches meine Jugendzeit bereicherte. Somit orderte ich das Buch kurzerhand und habe es in einem Ritt gelesen. Dieses Mal aber nicht unter der Bettdecke versteckt, mit Taschenlampe. Wie damals war ich jedoch sofort wieder mitten im Geschehen.
Dabei traf ich alte Bekannte wieder, wie Ivanhoe, Sohn von Cedric, dem Angelsachsen. Er liebt Lady Rowena, das Mündel seines Vaters und wurde deshalb von ihm verstoßen. Auch Prinz John, der Bruder von Richard Löwenherz, spinnt seine Intrigen, um König zu werden. Er versucht die Adligen auf seine Seite zu ziehen und will sich schnellstmöglich krönen lassen. Dabei scheut er keine Mühen und Kosten, auch wenn diese vor allem vom Volk getragen werden. König Richard gilt nach wie vor als verschollen und so nutzt er die Gunst der Stunde.
Isaac von York ist Geldverleiher, denn eine andere Arbeit darf er als Jude zu der Zeit nicht ausführen. Seine Tochter Rebecca verzaubert mit ihrer Schönheit einen Templer und gerät dadurch in große Gefahr. Dieser hat dem weltlichen Leben eigentlich abgeschworen, doch für Rebecca will er seinen Glauben verraten. Auch Isaac, ihr Vater, ist ständig gefährdet, muss er doch für den König und seine Freunde Geld beschaffen und Ihnen leihen. Mit der Rückzahlung nehmen es die Adligen jedoch nicht so genau. Auf einem Turnier von Prinz John taucht dann auch noch ein ominöser „Schwarzer Ritter“ auf und keiner weiß, wer er ist. Nur Ivanhoe kennt das Geheimnis des Ritters.

Wie es sich gehört, treffen wir auch den „Retter der Armen“, den Geächteten Locksley, bekannt als Robin Hood. Er macht mit seinem Gefolge von geächteten Bauern den Sherwood Forest unsicher und streut Angst unter jene, welche gut betucht durch den Wald reisen. Natürlich geraten auch die Geächteten um Locksley zwischen die Fronten. Da für sie jedoch die Gerechtigkeit im Vordergrund steht, schlagen sie sich auf die Seite der Schwachen. Als Cedric, Lady Rowena, Ivanhoe und Rebecca in Gefangenschaft geraten, helfen sie bei der Befreiung. Wieder taucht auch hier der „Schwarze Ritter“ auf. Doch die Bösen geben nicht klein bei. Rebecca wird weiter gefangen gehalten und gerät in tödliche Gefahr. Wird es diesmal gelingen sie zu retten? Die Aussichten stehen schlecht, denn für das Gottesurteil benötigt sie einen Ritter, der für sie kämpft. Doch wird es einen geben, der sein Leben für eine Jüdin wagt?

Dass dieser Roman bereits 1820 geschrieben wurde, habe ich erst kürzlich festgestellt. Wer den Kampf Gut gegen Böse mag, wird das Buch aber lieben. Sir Walter Scott verbindet die einzelnen Handlungsstränge der Charaktere durch verbindende Kapitel. Das macht es dem Leser leicht, der Handlung zu folgen. Die Figuren sind fast ein wenig zu akkurat angelegt, also entweder Gut oder Böse. Dazwischen gibt es nichts. Was mich wieder mal begeistert hat, sind die Dialoge der Personen untereinander. Dieses sind sehr locker und auch lustig gehalten. Die einzelnen Akteure werden mit all ihren positiven Eigenschaften, aber auch den Schwächen gezeigt. Somit kann der Leser die Reaktionen der jeweiligen Person sehr gut nachvollziehen.

Für mich war es Lesevergnügen pur, und es gibt ein Happy End, soviel sei gespoilert. Obwohl ich das Buch zuletzt vor 45 Jahren gelesen habe, war es wieder spannend auf Richard Löwenherz und Robin Hood zu treffen. Zu meiner Zeit – ich bin ein DDR-Kind – liebte ich die Mantel- und Degenfilme mit Alain Delon oder Jean Marais. Ivanhoe wurde mehrmals verfilmt, doch ob ich den geschaut habe, weiß ich nicht mehr. Eines ist klar: ich war immer auf der Seite der Schwachen und bin es auch heute noch!

Carmen

Autor:  Sir Walter Scott
Buchtitel: Ivanhoe
Übersetzung: aus dem Englischen von Günter Jürgensmeier
Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag

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