Das Zusammenspiel von Ebbe und Blut

© Foto: Karoline, 2020

Wir alle wissen zu Genüge, dass dieser Sommer nicht ist wie jeder andere. Warum sollte es also bei den Weltenbummler-Monaten nicht auch einmal experimentell zugehen? Wenn wir selbst nicht in die Ferne reisen können, dann suchen wir eben ein paar deutsche Schriftsteller, die die Ferne zu uns bringen! Lange suchen musste ich nicht, denn bereits beim ersten Überfliegen meines Buchregals stach mir eine Reihe ins Auge, die ich bereits rezensiert hatte: Die Aquitaine-Krimis von Alexander Oetker. Begleitet mich also ins ferne Bordeaux, wo es guten Wein, malerische Strände und grausame Morde gibt.

Luc kehrt nach ein paar harten Wochen in Paris in sein beschauliches Bordeaux zurück. Durch die Anschläge in der Hauptstadt wurde jeder gute Polizist gebraucht, um die angespannte Lage zu beruhigen. Nun freut er sich auf eine erholsame Zeit in seiner alten Heimat. Um seinem totkranken Vater einen Gefallen zu tun, bittet er die Hafenaufsicht, sie mit auf ihre abendliche Tour durch die Austern-Bassins zu nehmen. Es ist kurz vor Weihnachten und ganz Frankreich möchte zum Fest die französische Nationaldelikatesse verschmausen. Diese Wochen sind jedoch auch Hochkonjunktur für die Austerndiebe. Prompt fischt die Crew auch einen für seine Langfinger berüchtigten Austernfischer von einer Sandbank. Jemand schlug ihn nieder und setzte ihn dort aus. Doch ein paar Meter weiter spielte sich das wahre Verbrechen ab: Zwei junge Austernfischer, Sprösslinge angesehener Familien, hängen hingerichtet an Pfählen im Wasser. Besteht hier ein Zusammenhang und geht es dabei wirklich um die kriminellen Machenschaften rund um das hart umkämpfte Delikatessengeschäft oder stecken doch eher ganz persönliche Motive hinter diesen brutalen Morden?

Frankreich-Korrespondent Alexander Oetker wird mit jedem Fall stilsicherer und versteht es einmal mehr mich mit seiner Handlung mitzureißen. Gutes Essen und erlesener Wein finden auch im dritten Band wieder ihren Platz, sehr zu meinem Wohlbehagen. Leider ist Lucs Kollegin/Freundin Anouk nach wie vor langweilig perfekt und für mich daher einfach nur nervtötend. Ich hoffe ja, dass sie im Verlaufe des nächsten Bandes einen eleganten Abgang macht. Das erfahre ich jedoch frühestens im Oktober 2020, wenn der vierte Fall Baskische Tragödie erscheint. Ich stelle gedanklich schon mal den Wein kalt und schneide das Baguette an, Vorfreude kann doch wahrlich etwas Schönes sein.

Karoline

Autor: Alexander Oetker
Buchtitel:
Winteraustern – Luc Verlains dritter Fall
Verlag: Hoffmann und Campe

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