Ein Herz für Western: Alpine Schmuggelbraut in schönster Blüte

© Foto: Karoline, 2020

Der Herbst ist da! Und mit ihm mein Drang mal wieder etwas zur Jahreszeit Passendes zu lesen. Daher förderte ich eine der letzten Empfehlungen meines Buchhändlers des Vertrauens zutage: einen Italo-Western mit dem malerischen Namen Die Seele des Monte Pavione. Klingt spannend? Ist es auch!

Es ist 1896. Seit zwei Jahren wartet die junge Jole mit ihrer Familie nun auf die Rückkehr ihres Vaters. Doch die Hoffnung ist der puren Verzweiflung gewichen. Als arme Tabakbauern verdient sich die Familie notdürftig ihr Brot, während die einflussreichen Tabakhändler immer reicher werden. Notgedrungen zweigt der Vater stets einige Kilo Tabakblätter ab, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Doch der Weg dorthin führt über Gebirgspässe und Grenzkontrollen ins benachbarte Österreich. Dorthin brach Joles Vater auf und kam nie zurück. Zwei Jahre, in denen es der Familie zunehmend schlechter erging. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre älteste Tochter Jole zur Tabakschmugglerin zu befördern. Sie schreitet den Weg ab, den ihr Vater einst mit ihr ging und entdeckt auf ihrer Reise Gesetzlosigkeit, aber auch Güte.

Was für ein wunderschönes kleine Büchlein! Ich startete ganz unbefangen in das bergige Abenteuer und wurde mit so viel Emotionen überschüttet, dass mir jetzt, Wochen später und einige Grad kälter, immer noch warm ums Herz wird. Die Seele des Monte Pavione ist so vieles: ein Roadtrip, eine Vater-Tochter-Geschichte, eine Wirtschaftskritik, ein Western. Aber vor allem ist es eine Hommage an eine malerische Region im Herzen Europas und den kleinen Mann. Auf nur 240 Seiten wuchs mir die junge, starke, schöne, beherzte Protagonistin Jole ungemein ans Herz. Gerne wäre ich mit ihr einmal Wandern gegangen (natürlich ohne bewaffnete Grenzkontrollen) und hätte mit ihr das Brot geteilt.

Der Autor Matteo Righetto hat hier ein Kleinod der Literatur erschaffen, das definitiv in den Top 10 meiner Jahresliste landen wird. Einziges Manko: Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei 20 Euro für lediglich 240 Seiten doch arg strapaziert. Dafür ist das Cover ein wahrer Hingucker, der förmlich nach Frontalpräsentation im heimischen Regal schreit. Und mal ehrlich: Es wäre doch eine Schande das arme kleine Buch so leiden zu lassen 😉

Karoline

Autor: Matteo Righetto
Buchtitel: Die Seele des Monte Pavione
Übersetzung: aus dem Italienischen von Bruno Genzler
Verlag: Karl Blessing Verlag

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