Was wäre, wenn sich Superman als narzisstischer Psychopath entpuppt?

© Foto: IMDb, 2020

Ich liebe Comicverfilmungen. Natürlich gelingen einige besser als andere, aber grundsätzlich habe ich selten etwas an Superhelden und Action auszusetzen. Gelingt dann noch ein Genre-Mix bei dem Dramedy mit schwarzem Humor herauskommt, umso besser. The Boys ist immer ernüchternd, teilweise sehr verstörend und schafft es, dass ich trotz Ekelmomenten komplett gefesselt bin. Nachdem dieses Jahr die zweite Staffel veröffentlicht wurde, wird es Zeit für eine Rezension.

In der Welt von The Boys gibt es Menschen mit den verschiedensten Superkräften. Die mächtigsten und publikumstauglichsten werden als die Seven vom Großkonzern Vought wie Popsternchen vermarktet. Die Mitglieder der Seven sind hinsichtlich ihrer Fähigkeiten eine Anspielung bzw. eher eine Parodie auf die Justice League. Auch sie sind dafür da Katastrophen, Kriminellen und anderen Bedrohungen Einhalt zu gebieten. Zeitgleich nehmen sie an Interviews, Konzerten, Konferenzen und Livestreams teil und es gibt Unmengen an Merchandise zu ihrer Person(a). Anführer der Gruppe ist Homelander: übermächtig und wie der Zuschauer schnell bemerken wird, ein menschenverachtender Psychopath. Er ist nicht das einzige Mitglied, dass eine zweifelhafte Weltanschauung vertritt. Grundsätzlich gehen die Seven und Vought sehr fahrlässig mit Menschenleben um und gern auch mal privat diversen Perversionen nach. Selbst die Mitglieder mit Anstand und Moral resignieren mittlerweile einfach nur. Eine kleine Ausnahme bildet das neueste Mitglied Starlight. Sie begreift schnell, dass ihre Vorstellung vom Superheldendasein sehr naiv im Vergleich zur grausamen Realität ist und beginnt sich gegen das System aufzulehnen.

Nicht nur der Zuschauer sowie Starlight, sondern auch die Mitglieder einer zusammengewürfelten Gegenbewegung namens The Boys kommen den korrupten Superheldenverein auf die Schliche. Ihr neuestes Mitglied Hughie hat seine Freundin durch eine Fahrlässigkeit der Seven verloren und auch ihm werden die Scheuklappen von den Augen gerissen. The Boys wollen die Machenschaften von Vought öffentlich und den „Helden“ den Garaus machen. Dabei handeln sie ebenfalls nicht unbedingt moralisch oder ethisch vertretbar. Der Zuschauer erlebt gemeinsam auf beiden Seiten mit Hughie und Starlight die Abgründe und Taten der Seven und The Boys. So richtig gibt es dabei keine „Guten“, aber zumindest ist allen klar, dass Vought und die Superhelden so nicht weitermachen dürfen.

Ich finde den Ansatz total spannend und vergleichsweise realitätsnah, dass die Helden ganz kapitalismuskonform vermarktet bis ausgebeutet werden und ihnen die Macht und der Ruhm zu Kopf steigen bis sie sich selbst als Übermenschen sehen. Dabei wird mit den dargestellten Szenen hart ins Extreme gegangen. Die Handlungen sind sehr gewaltintensiv, es gibt diverse Splattermomente und gezeigte sowie erwähnte sexuelle Gewalt. Unterm Strich passt alles in den Rahmen und die Stimmung der Serie. Ihr solltet euch das definitiv nicht antun, wenn solche Sachen euch triggern bzw. auch einfach stören, denn sie treten in jeder Folge auf. Persönlich muss ich sehr oft schlucken, bin aber so mitgerissen, dass ich weitergucken muss. Die Serie tanzt im Heldenkosmos aus der Reihe und das macht sie spannend. Die Charaktere sind interessant, wenn oft zeitgleich hassenswert. Momentan gibt es zwei Staffeln mit jeweils acht Folgen. Die Folgen gehen ca. 60 Minuten und es ist schon unfassbar viel passiert. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es weitergehen wird.

Georgia

Erschaffen von: Eric Kripke, Evan Goldberg, Seth Rogen
Serientitel: The Boys
Ausgestrahlt: seit 2019

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