Samstagshäppchen: Das Leben ist schwer, so schwer

© Foto: Karoline, 2020

Neulich durchstöberte ich ganz unbedarft und wie immer überhaupt nicht auf einen Kauf abzielend meine Buchhandlung. Prompt sprang mir (wehrlostem Opfer) die geballte Kollektion der Elizabeth Strout entgegen. Schicke Cover, einen Pulitzerpreis hatte sie auch bekommen, und schon hielt mir das Buch Mit Blick aufs Meer die emotionale Pistole auf die Brust. Natürlich blieb mir da nichts anderes übrig, als das arme Ding mit nach Hause zu nehmen und mich schnellstmöglich intensiv darum zu kümmern.

Spannenderweise lautet der amerikanische Originaltitel Olive Kitteridge. Er ist zwar weniger griffig, dennoch besser gelungen, wie ich finde. Denn Olive ist nun einmal der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Buches. Zwar handelt nicht alle 13 Geschichten direkt von ihr, doch beeinflusst ihre Person jede einzelne Begebenheit auf ihre Weise.

Die Geschichten sind alltäglich und dennoch von einer wunderschönen Sentimentalität, die mein Herz tief berührte. Gleich in der ersten Geschichte Apotheke lernte ich Henry, Olives Ehemann, kennen. Der sensible Mann sehnt sich so sehr nach der Liebe, die ihm seine eigene Frau nicht zeigen kann. Ähnlich ergeht es in Frau am Klavier der alternden Pianistin, die stets im örtlichen Restaurant für die passende Untermalung sorgt. Als Tochter einer Gelegenheitsprostituierten wurde ihr der Anschluss an ein normales Leben verwehrt, also betrinkt sie sich, um Lampenfieber und Einsamkeit zu entfliehen. Ein junger Mann kehrt währenddessen in seinen alten Heimatort zurück, um hier mit dem Leben abzuschließen – bis sich seine ehemalige Mathematiklehrerin Mrs. Kitteridge ins Auto setzt und mit ihm redet. Währenddessen versucht Olives Sohn sich in Auftrieb von seiner herrischen Mutter zu emanzipieren. Ob ihm das wohl gelingen wird?

Diese kleinen alltäglichen Dramen spielen sich wahrscheinlich in jeder Stadt ab. Aber überall, wo es Leid gibt, gibt es auch das Glück. Es liegt in den kleinen Dingen, wie den wunderschönen Tulpen in Olives Vorgarten oder ihren täglichen Runden mit dem Hund. So hinterließ Mit Blick aufs Meer ein traurig-schönes Gefühl, das mich auch Wochen später noch verfolgt. Und wieder einmal stelle ich fest, dass mich die Pulitzerpreisträger bei weitem mehr begeistern als die Nobelpreisträger.

Karoline

Autorin: Elizabeth Strout
Buchtitel: Mit Blick aufs Meer
Übersetzung: aus dem Amerikanischen von Sabine Roth
Verlag: btb

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