Was eine Seele braucht

© Foto: Disney+, 2020

Als ich vom neuen Disney-Pixar-Film Soul hörte, war ich aus unerfindlichen Gründen etwas skeptisch. Dann mehrten sich die begeisterten Stimmen und ich ließ mich davon anstecken. Zusammen mit Georgia, die genauso neugierig war, schauten wir uns in einer Online-Session dieses kleine Meisterwerk an.

Der Teilzeitlehrer Joe Gardner hat eine große Leidenschaft: den Jazz. Liebend gern würde er eine Jazz-Band mit seinem Klavierspiel begleiten. Leider blieb ihm dieser Traum bisher verwehrt. Durch gute Kontakte spielt er eines Tages bei einer sehr bekannten Sängerin vor und wird vom Fleck weg für den nächsten Gig engagiert. Voller Euphorie darüber achtet er nicht auf seinen Weg und fällt in ein Gullyloch. Er erwacht als durchsichtiges Wesen auf einer langen Treppe – die ins Jenseits führt. Joe will seinen Tod kurz vor Erreichen seines Traumes nicht akzeptieren und springt kurzerhand von der Treppe ins Nichts – und landet dabei im Davorseits, einem Ort, wo die Seelen geformt und auf die Erdenzeit vorbereitet werden. Dabei wird jeder Seele ein Mentor zugewiesen. Joe wittert seine Chance, auf die Erde zurückzukehren, vor allem, weil die ihm zugewiesene Seele Nummer 22 im Davorseits bleiben will. Beide schließen einen Pakt: er hilft ihr dabei, den Funken zu finden, damit sie einen Erdenpass bekommt und sie gibt diesen Pass an Joe weiter. Sie kann somit im Davorseits bleiben und er zur Erde fahren. Der Deal geht auf, allerdings nicht so wie geplant. 22 wird beim Sprung auf die Erde nicht wie gedacht aufgehalten, sondern fährt in den Körper des im Krankenhaus liegenden Joe, der wiederum fährt in den Körper der auf ihm liegenden Therapiekatze. Als wäre das nicht genug, ist der Buchhalter des Jenseits, der verschwundenen Seele auf den Fersen.

Ich bin immer wieder überrascht und überwältigt von der Kreativität und dem Ideenreichtum, den Disney-Pixar-Filme an den Tag legen. Die pastellfarbene Welt des Davorseits ist wunderschön anzuschauen und friedlich, die umherspringenden Seelen total niedlich und die Umsetzung der Persönlichkeitsgestaltung der Seelen sehr einfallsreich und beeindruckend, genauso wie die Gestaltung der Mitarbeiter dieser Welt. Darüber hinaus mag ich die Vorstellung einer astralen Welt, die uns vor und nach der Geburt beeinflusst und dass es auch während des Erdenlebens mehrere Bewusstseinszustände gibt, die uns in andere Sphären gleiten lassen, positive wie negative. Während Joe und 22 versuchen, den Schlamassel rückgängig zu machen, müssen sich die beiden eigenen Ängsten stellen und eigene Vorstellungen hinterfragen. Es ist sehr berührend anzuschauen, wie die Protagonisten an sich selbst scheitern, aneinander wachsen und nicht nur für sich, sondern auch für den anderen einstehen. Nicht nur Joe und 22, auch die Zuschauer sehen sich mit elementaren Fragen konfrontiert: Wer bin ich? Was macht mich aus? Was macht mich glücklich? Wann beginnt das Leben? Bin ich bereit? Bin ich gut genug? Wie immer verstärkt die Musik die beabsichtigte Gefühlslage. Gleichzeitig gibt es genug niedliche und witzige Szenen, damit der Film nicht allzu schwer wirkt.

Ich habe Soul sehr genossen, ein paar Tränchen verdrückt und gebannt auf den Bildschirm gestarrt. Es ist einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe.

Ilke

Regisseure: Pete Docter, Kemp Powers
Filmtitel:
Soul
Streaming-Plattform: Disney+
Erscheinungsjahr: 2020

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