Mord und Totschlag im historischen Leipzig

© Foto: Karoline, 2021

Viel zu lange musste ich nach dem zweiten Teil der neuen Leipziger Krimireihe lechzen. Der Auftakt Der rote Judas war wie eine Droge. Einmal eingetaucht in die Szenerie, ist man völlig hin und weg vom Leipziger Leben der 20er Jahre. Gott sei Dank wurde mein Warten mit einem Folgeband belohnt. Doch konnte Abels Auferstehung dem mehr als gelungenen Vorgänger wirklich das Wasser reichen? Jawohl, das konnte er, und zwar locker.

Die Mensur und der Tote im Hotelzimmer

Paul Stainer ist am Ende. Kaum konnte er seine Ehefrau Edith überreden, es noch einmal mit ihm zu versuchen, da wird sie Opfer eines Attentats. Das eigentliche Ziel war er, doch nun ist sie es, die zu Grabe getragen wird. Seinen Kummer kann der Kriminalkommissar nur mit einem neuen Fall ersticken. Ein jüdischer Künstler wird erstochen in seinem Hotelzimmer gefunden. Er weist merkwürdige Schnittwunden im Gesicht auf, die auf zwielichtige Studentenverbindungen schließen lassen. Schnell kommen Stainer und seine Kollegen einer geheimen Mensur auf die Spur – einem Duell, bei dem zwei Studenten um ihre Ehre fechten.

Die Journalistin und das Bonaparte

Doch nicht nur die Polizei ist der dubiosen Studentenverbindung auf der Spur. Einer ambitionierten Journalistin der Leipziger Volkszeitung wurden exklusive Einblicke in eben jene verhängnisvolle Mensur gewährt. Leider war Marlene Wagner so gar nicht begeistert von dem testosterongeschwängerten Gebärden und schreibt kurzerhand einen Verriss. Ein fataler Fehler, wie sie kurze Zeit später feststellen soll. Denn von nun an steht sie unter Beobachtung beim Chef. Da kommt die Wasserleiche aus Basel zum richtigen Augenblick. Eigentlich war Marlene in die Schweiz gereist, um ihren verschollenen Bruder zu identifizieren. Stattdessen sieht sie einen Unbekannten mit Leipziger Andenken auf dem Tisch in der Pathologie. Die Klärung der Identität soll nun ihre nächste Titelgeschichte werden, doch da hat die junge Journalistin die Rechnung ohne den Mörder gemacht.

Alte Bekannte und neue Sorgen

In Abels Auferstehung traf ich zu meinem großen Vergnügen alte Bekannte wieder. Mit Rosa kämpfte ich um ihr Nachtcafé Bonaparte und gegen ihren kriminellen Bruder, mit Siggi und Mona durchlitt ich ihre junge Liebe und mit Fine bangte ich um ihren Job als letzte Leipziger Straßenbahnfahrerin. Besonders dieses Schicksal traf mich hart. Nachdem immer mehr Kriegsheimkehrer Leipzigs Straßen bevölkern, werden die arbeitenden Frauen entlassen. Sie sollen sich wieder ihren naturgegebenen Aufgaben widmen: Heim, Herd und Ehemann. Aber wie soll eine Kriegerwitwe mit vier Kindern nur über die Runden kommen, wenn ihr das einzige Einkommen genommen wird?

Ich lerne Leipzig von einer ganz neuen Seite kennen

Es sind genau diese Schicksale, die von Thomas Ziebula so eindringlich, so lebensnah und dadurch auch so tragisch geschildert werden, dass mir nichts anderes übrig blieb, als seinen zweiten Leipzig-Krimi in Rekordzeit zu verschlingen. Währenddessen schlenderte ich durch die Leipziger Innenstadt, immer auf der Suche nach den im Buch beschriebenen Gebäuden. Was ist aus dem damaligen LVZ-Gebäude geworden? Welche Häuser am Brühl haben die Zeit der großen Rauchwarenhändler überlebt? Und wusstet ihr eigentlich, dass Rauchwaren eigentlich Pelze sind? Für mich waren das alles ganz faszinierende neue Erkenntnisse, verpackt in eine mordsmäßig spannende Kriminalgeschichte. Demnach kann ich es also wieder einmal kaum erwarten bis der dritte Teil im Januar 2022 endlich in die Buchläden kommt. Auf dass noch viele weitere Bände folgen werden!

Karoline

Autor: Thomas Ziebula
Buchtitel:
Abels Auferstehung
Verlag: Wunderlich im Rowohlt Verlag

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