Das Grauen der Welt in Worten

Im Westen nichts Neues

© Foto: Karoline, 2014

Stell dir vor du bist Soldat. Stell dir vor es ist das Jahr 1918. Tagsüber sitzt du mit deinen Kameraden beieinander; ihr zockt Karten, kocht Essen oder macht ein Nickerchen. Das entfernte, sich manchmal nähernde Heranzischen der Granaten hörst du schon gar nicht mehr. Mit den Jahren hast du gelernt sie anhand dieses Geräusches auf Gefährlichkeit einschätzen zu können. Nachts geht es in kleinen Gruppen in feindliches Gebiet, um verlorene Schützengräben von den Franzosen zurückzuerobern. Du kriechst durch den Dreck und durch die von Granaten entstandene Mondlandschaft, Meter um Meter. Zwischendurch gibt es immer wieder ein Gewitter aus den gegnerischen Maschinengewehren. Du stellst dich tot, atmest in den Dreck, drückst dich in einen Mondkrater, um nicht getroffen zu werden. Tagsüber erfolgt auf dem Feld ein Gasangriff. Du musst schnell deine Maske aufsetzen und hoffst einfach, dass sie dicht ist. Neben dir verreckt ein Kamerad, der sie zu spät aufgesetzt hat. Seine Lunge wird von innen verätzt, er wird stundenlang nach und nach seine Lunge aushusten, nur um schließlich zu ersticken.

Viele denken bei dem Buchtitel Im Westen nichts Neues an lästige Schullektüre. Ich hingegen habe immer die beschriebenen Bilder im Kopf. >>