Samstagshäppchen: Schlag zu, so fest du nur kannst!

© Foto: Ilke, 2016

© Foto: Ilke, 2016

Zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt Fight Club, inszeniert vom Regisseur David Fincher. Wusstet ihr, dass dies auch nur eine Adaption ist? Ich wusste es lange Zeit nicht. Klar also, dass ich mir die Romanvorlage besorgen musste. Markus sei Dank, kam ich nun in den Genuss des Originals.

Unser namenloser Protagonist ist ein Mann im mittleren Alter und gelangweilt von seinem Leben. Er hat eine schöne Wohnung und einen sicheren Job. Er hat alles erreicht was er wollte, nun steht er vor der inneren Leere. Um seiner Schlaflosigkeit zu entkommen, besucht er verschiedene Selbsthilfegruppen für Menschen, die an todbringenden Krankheiten aller Art leiden. Nur dort findet er innere Ruhe. Diese wird abrupt gestört, als in immer mehr Gruppen die gleiche Frau auftaucht: Marla Singer. Sie passt genauso wenig dorthin wie er, sie spiegelt seine Lüge wider. Erneut wird er von Schlaflosigkeit geplagt, bis er Tyler Durden kennenlernt. Zuerst sind sie nur lose Bekannte, als jedoch die Wohnung des Protagonisten in die Luft fliegt, zieht er in das von Tyler besetzte Haus ein. Und auch Marla, die eine besondere Beziehung zu Tyler zu haben scheint, ist regelmäßig zu Gast. Um der Eintönigkeit des Alltags zu entfliehen, gründen die beiden Männer schon bald den Fight Club – eine geheime Vereinigung von Männern, die ihren Frust und ihre Langeweile durch Boxkämpfe loswerden wollen. Sie frönen der puren, animalischen Kampfeslust. Doch das reicht Tyler nicht, er will die Welt ins Chaos stürzen – oder eher zeigen, dass dieses schon längst existiert.

Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, die voll und ganz erfüllt wurden. Die präzise und pointierte Schreibweise in der Ich-Perspektive hat mir sehr gut gefallen. Zuerst ist es verwirrend, dass es keine typografische Unterscheidung gibt, ob der Protagonist etwas denkt oder sagt. Anführungszeichen werden bei ihm weggelassen, das stört aber weder den Lesefluss, noch das Verständnis. Absichtlich gibt es etliche Handlungs- und Zeitsprünge – Chronologie wird überbewertet – mit denen der Leser klar kommen muss und die das Chaos unterstreichen, das in der Welt herrscht. Der Autor arbeitet mit vielen Wiederholungen, die ich aber immer als passend bzw. besondere Unterstreichung empfand. Zwischen all der physischen und psychischen Gewalt, mit der in der Handlung nicht gegeizt wird, gibt es im Gegensatz dazu auch kleine Inseln von philosophischen Gedanken.

Da ich den Film kenne, war der Plot-Twist für mich natürlich nichts Neues, dafür konnte ich den Roman aus einem anderen Blickwinkel lesen und auf die kleinen Details achten, die darauf hindeuten. Das Ende des Filmes weicht von dem des Buches ab, letztendllich wurde ich also doch noch überrascht.

Kurzum: Wer den Film mag, wird das Buch lieben.

Ilke

Autor: Chuck Palahniuk
Buchtitel: Fight Club
Übersetzung: aus dem amerikanischen Englisch von Fred Kinzel
Verlag: Goldmann

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2 Gedanken zu “Samstagshäppchen: Schlag zu, so fest du nur kannst!

  1. Wulf Bengsch schreibt:

    Und wer das Buch „Fight Club“ mag, wird auch so ziemlich alle weiteren Bücher von Chuck Palahniuk lieben, wie ich dir aus Erfahrung sagen kann. Seine neueren Werke wie „Bonsai“, „Verflucht“ und „Verdammt“ sind schon sehr eigen und vielleicht nicht jedermanns Sache, aber speziell Veröffentlichungen wie „Der Simulant“ (übrigens unter dem [Original-]Titel „Choke“ ebenfalls verfilmt worden) oder „Flug 2039“ kann ich wirklich uneingeschränkt empfehlen!

  2. Ilke schreibt:

    Vielen Dank für die Tipps, die werde ich im Auge behalten. 🙂 Ich hatte nach „Fight Club“ mit „Fratze“ begonnen, so richtig kam ich in die Geschichte aber nicht rein. Ich lasse sie erstmal liegen, irgendwann wird die Zeit dafür kommen. „Lullaby“ klingt auch sehr interessant.

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