Taking pieces

© Foto: Ilke, 2018

Menschen definieren sich zumeist über das, was sie geleistet haben und die Erinnerungen an alles, was sie prägte. Was bleibt von einem übrig, wenn die Erinnerungen Stück für Stück wegfallen? Ist man noch man selbst, obwohl man sich nicht erinnern kann? Damit beschäftigt sich das Drama Still Alice.

Zunächst fängt es klein und unbedeutend an: In einer Vorlesung fällt der Linguistikprofessorin Dr. Alice Howland ein Wort nicht ein, was sie gekonnt mit einem Witz überspielt. Als sie beim Joggen plötzlich die Orientierung verliert, merkt sie, dass etwas nicht stimmt und sucht einen Neurologen auf. Einige Tests später erhält sie Diagnose: Alzheimer. Jeder reagiert verständ-licherweise geschockt, schließlich ist sie erst Anfang 50. Da es in einem frühen Stadium erkannt wurde besteht die Hoffnung, dass es nicht so schlimm werden wird. Nachfolgend erleben wir den schnell fortschreitenden Verlauf der Erkrankung und wie die Familie versucht, damit klar zukommen und weiterhin zusammenzuhalten. Alice liegt dabei im Fokus.

Juliane Moore erhielt 2015 zu Recht den Oscar und diverse andere Preise als Beste Hauptdarstellerin. Sie verkörpert Alice in den verschiedenen Stadien einfach sensationell. Besonders die Mimik in den Szenen, in denen sie die Orientierung verliert oder sich an einfache Dinge nicht mehr erinnern kann, ist sehr beeindruckend und berührend. Alice verliert nicht nur ihre Erinnerungen, sie verliert alles, was sie ausmachte und worüber sie sich definierte. Die zunehmende Verzweiflung in die sie fällt, ist fast greifbar. Und doch möchte sie sich davon nicht unterkriegen lassen. Mit Humor und Verstand sagt sie dem Alzheimer den Kampf an. Die Nebendarsteller, insbesondere Alec Baldwin als ihr Ehemann und Kristen Steward als ihre jüngste Tochter, liefern eine gute Leistung ab, wirken neben der starken Juliane Moore jedoch etwas blass.

Die Geschichte ist sehr gefühlvoll erzählt. Musik, Bildeinstellungen und Kameraführung unterstützen die einzelnen Szenen, z.B. wird der Hintergrund undeutlich und die Schnitte schneller in den Szenen, in denen Alice sich plötzlich nicht mehr erinnern kann. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie Alice im Frühstadium Maßnahmen ergreift, die für das Spätstadium wichtig werden und wie die Familie nach Kräften versucht, sie zu unterstützen. Besonders gut gefallen hat mir ebenfalls die emotionale Rede, die sie während einer Tagung über Alzheimer gehalten hat.

Ich kann den Film wärmstens empfehlen, man muss sich jedoch im klaren darüber sein, dass ein ernstes Thema ebenso ernst behandelt wird. Still Alice ist ergreifend, traurig und mitunter recht hart. Der Film basiert auf  dem gleichnamigen Roman von Lisa Genova.

Ilke

Regisseur: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
Filmtitel: Still Alice
Erscheinungsjahr: 2014

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