„Auch der Ozean besteht aus einzelnen Tropfen.“

© Foto: Georgia, 2020

Zum ersten Weltenbummler-Monat 2020 wird es bei mir ganz verrückt: Ich habe mich für einen GEDICHTband entschieden. Aus den aufgezwungenen Interpretationen des Deutschunterrichtes habe ich ein Trauma davongetragen und bis heute nichts mehr von verstorbenen, deutschen Lyrikern gelesen. Dafür bin ich über diverse britische und irische Gedichte gestolpert, die ich ganz großartig finde. So habe ich mich in When You are Old von William Butler Yeats verliebt und dachte mir, für diesen Monat vergnüge ich mich mit seinen gesammelten lyrischen Werken.

Kleiner Spoiler: Ich habe nicht den ganzen Band geschafft. Über 300 Seiten geballte Lyrik in einer Fremdsprache waren mir dann doch too much. Stattdessen habe ich mir nach und nach mehrere Gedichte aus verschiedenen Lebensabschnitten rausgefischt. Was war mein Auswahlkriterium außer „von allem ein bisschen“? – Wenn mir der Titel gefiel, kam er auf die Liste. Klingt einfach (war es auch), hat aber gut funktioniert. So möchte ich behaupten, dass mir ein Rundumschlag von Yeats‘ Werken geglückt ist. Dabei ist When You are Old mein ungeschlagener Favorit geblieben, jedoch habe ich unteranderem mit He wishes for the Clothes of Heaven und The Stolen Child weitere Perlen gefunden. Natürlich hat Yeats viel mehr verfasst. Doch diese drei sind mir am stärksten im Gedächtnis geblieben. Die beiden ersten Gedichte gehen eher in Richtung Romantik mit einem unterschwelligen Hauch Melancholie. In When You are Old ist der Geliebte wohl bereits verstorben und es wird wehmütig an ihn gedacht – dementsprechend geht es hier eindeutig melancholischer zu. He wishes for the Clothes of Heaven thematisiert noch das Werben eines Geliebten. Währenddessen kommt in The Stolen Child eine für Yeats typische mystische Note hinzu. Das Kind wird von Feen mitgenommen, da es in dieser Welt zu viel schlimme Dinge gibt – hello again Melancholie.

Romantik, Liebe, Trauer und Mystik ziehen sich als Hauptthemen durch alle Zeitepochen. Dabei schwenkt Yeats von irischen Märchen mit Feen und Elfen auch gern mal in die griechische Mythologie. Er ist sehr naturverbunden und verarbeitet natürlich auch das eigene Leben in seinen Werken. So entstehen gerade in späteren Jahren Gedichte, in denen er auf die vergangenen Jahre zurückblickt und über das Älterwerden nachsinnt oder auch den Tod seines Vaters verarbeitet. Weitere wiederkehrende Elemente sind seine Gedanken über Krieg, Armut und Reichtum. Manchmal wird er mir zu abstrakt oder ich kann mit den alten Begriffen nichts anfangen und weiß dann nicht, was er mir sagen möchte. Aber zum Glück bin ich ja nicht mehr im Deutschunterricht und kann auch einfach so weiter zum nächsten Werk gehen. Das Schöne an einem Gedichtband ist, dass man immer mal zwischendurch ein paar Zeilen lesen kann. Sogar noch besser als bei Kurzgeschichten, denn der Großteil seiner Gedichte ist, nun ja, kürzer. Alles in allem hatte ich Freude an meiner Wahl und mich auch ein wenig kultivierter beim Lesen gefühlt.

Somit sind wir am Ende unseres Ländermonats angekommen. Wir lehrten euch das Gruseln mit spukenden Schlossgespenstern und Schauergeschichten á la Dracula, zeigten euch dem Klischee widersprechende Beziehungen, standen einer Familie in einer schweren Zeit bei und machten euch mit den großartigsten irischen Mädchen bekannt. Lasst euch überraschen wohin wir euch im Mai entführen werden!

Georgia

Autor: William Butler Yeats
Buchtitel: The Collected Poems of W. B. Yeats
Verlag: Wordsworth

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