Die russische Märchenfabrik

© Foto: Inkunabel, 2016

Bei der Filmauswahl für unseren aktuellen Ländermonat waren wir uns früh über das Thema einig. Russische Märchen sollten es sein. Bei der Recherche fiel uns auf, dass unsere Lieblinge immer unter der Regie des gleichen Mannes standen – Alexander Rou. Der Hirsch mit dem goldenen Geweih wird bestimmt den meisten von euch etwas sagen. Doch auch die anderen Märchenfilme sind einen genaueren Blick wert. Lasst euch verzaubern und kommt mit in die Welt von Baba Jaga, Väterchen Frost, Wassergeistern und sprechenden Bären.


© Foto: Georgia, 2016

© Foto: Georgia, 2016

Köhlerbursche und Ziegenhirtin vs. Gerippchen

Der junge Köhlerbursche Wassja trifft im Wald auf die schöne Ziegenhirtin Aljonuschka. Es dauert nicht lange und die beiden verlieben sich ineinander. Zur gleichen Zeit erhält das unsterbliche Gerippe, auch Gerippchen genannt, zu seiner Hochzeit Verjüngungsäpfel. Anstatt seiner Braut welche abzugeben, verschlingt er die Äpfel allein. Da er nun wieder ein junger Mann und ihm seine Zukünftige zu alt ist, macht er sich erneut auf Brautschau. Kurzerhand will sich Gerippchen mit Aljonuschka vermählen. Das Mädchen wird also entführt und Wassja verbringt den Rest des Filmes damit zu ihr zu gelangen und sie zu befreien. Dabei muss er Prüfungen gegen Feuer und Wasser bestehen und den Posaunen des Ruhmes widerstehen.

Wie in so vielen Märchen gibt es auch in Feuer, Wasser und Posaunen eine einfache und klare Handlung. Die Entführte muss vom Helden gerettet werden. Tendenziell ist das mittlerweile langweilig. Aber die russischen Sagengestalten sowie Szenerie und Aufmachung verleihen dem Film seinen Charme. Russische Trachten und Volkslieder sorgen für eine bezaubernde Atmosphäre. Besonders schön sind auch die Special Effects, die simpel und doch so auffällig sind. Wenn beispielsweise die Unterwasserwelt mit Wellenfolie über dem eigentlichen Bild dargestellt wird, ist das ziemlich erheiternd. Auch sind die Charaktere oft wunderbar theatralisch. Bei der Entführung Aljonuschkas ruft Wassja sehr oft und langanhaltend ihren Namen. Das nimmt zwar die Dramatik, sorgt aber für Lacher. Alles in allem sind die Figuren, einschließlich der Bösewichte, leicht übertrieben und doch sympathisch. Als Pluspunkt werte ich auch, dass Aljonuschka zwar auf ihren Retter wartet, aber dem Gerippchen zumindest verbal die Stirn bietet und ihm immer fantastisch sarkastische Antworten gibt. Ebenfalls gefällt mir, dass Wassja seine drei Prüfungen durch Intelligenz und Freundlichkeit besteht. Das Schöne an Märchen ist, dass sie in der Regel ein Happy End haben. Man kann die Filme entspannt genießen und sich über die Darstellung freuen oder eben lustig machen. Feuer, Wasser und Posaunen wird selten düster, sondern spielt hauptsächlich vor hellen und freundlichen Kulissen. Die schöne Filmaufmachung entschädigt für die, für heutige Verhältnisse, abgekaute Handlung.

Georgia

Regisseur: Alexander Rou
Filmtitel: Feuer, Wasser und Posaunen
Erscheinungsjahr: 1968


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© Foto: Karoline, 2016

Mit der Vorderfront zu mir!

Iwan ist ein eitler Draufgänger, der in die Welt zieht, um etwas zu erleben. Während eines Waldspaziergang fordert ihn das kleine Pilzkopf-Männchen heraus. Beim Fangen-Spielen verliert Iwan, bekommt als Trost jedoch ein Geschenk. Als er sich nicht bedankt und auch noch frech „sich ein Bär zu deinen Füßen werfen“ antwortet, verflucht ihn das Männchen kurzerhand. Kurze Zeit später trifft Iwan auf die hübsche Nastjenka und will diese sofort vom Fleck weg heiraten. Sie jedoch fällt auf den eitlen Gockel nicht herein und löst somit den Fluch aus, der Iwan in einen Bären verwandelt. Mit herrlich übertriebenen Gesten stapft der zottige Schönling davon und versucht den Fluch durch Hilfsbereitschaft zu brechen. Nastjenka hingegen hat ganz andere Sorgen. Da sie hübsch, fromm und arbeitsam ist, nimmt sie ihrer Stiefschwester die potentiellen Ehemänner weg. Als Strafe dafür wird sie im Winter im tiefsten, verschneiten Wald ausgesetzt. Dort begegnet sie dem braven Väterchen Frost, der Mitleid hat und sie bei sich aufnimmt. Währenddessen beginnt der verliebte Iwan nach Nastjenka zu suchen und stößt dabei auf die verschlafene (und trotzdem unglaublich elegant anmutende) Hexe Baba Jaga, die in ihm einen leckeren Appetithappen sieht.

Auch in dieser Märchenverfilmung ist der russische Folklore-Gesang rund um die Handlung eingebettet, ob junge Mädchen oder die Waldräuber, jeder singt beherzt sein Lied. Der Solo-Part von Nastjenka ließ mich jedoch etwas die Augen zusammenkneifen ob dieser unglaublich hohen fiepsigen Stimme. Das alles gehört aber eben zu den russischen Märchenfilmen und macht ihren Charme aus. Ebenso wie Iwanuschkas unglaublich schreckliche Frisur, die ich noch nie leiden konnte und der eigenwillige russische Humor. Da wird der alte Vater unterdrückt und wagt kaum etwas zu sagen außer „sag ja nichts, ich sag ja nichts“, während die Räuber ein lahmer Haufen sind, deren einfältiger Anführer mich doch sehr stark an einen zerzausten Gandalf erinnert hat. Aber das immerwährende Sahnehäubchen ist die Hexe Baba Jaga. Seit Jahrzehnten liebe ich sie heiß und innig, diese verlotterte Alte mit ihrem Hexenhäuschen, das auf Hühnerfüßen steht. Keine Frage also, dass ich diesen Märchenfilm immer und immer wieder schauen kann, ohne je den Spaß daran zu verlieren.

Karoline

Regisseur: Alexander Rou
Filmtitel: Abenteuer im Zauberwald (alias Väterchen Frost)
Erscheinungsjahr: 1964


© Foto: Carmen, 2016

Zauberhafte Abenteuer im Wasserreich

Märchen – oh ich liebe Märchen, vor allem die aus meiner Kindheit. Obwohl ich mittlerweile Mitte 50 bin, kann ich mir die DDR-Märchen und auch die russischen nicht oft genug ansehen. Die verzauberte Marie ist davon eines meiner liebsten. Leider wird dieser Film nicht mehr so oft gesendet, aber wenn, dann muss ich ihn mir anschauen.

Auch in diesem Film geht es, wie in den meisten, um den Kampf zwischen Gut und Böse. Auf dem Weg in seine Heimat trifft ein Soldat in einem Wald auf zwei kleine, heulende Bären. Deren Großvater hat sich in einer Falle verfangen und der Soldat befreit ihn natürlich daraus. Zum Dank warnen ihn die Bären in den Wald zu gehen, denn dort hause seit kurzem ein Geist. Aber ein tapferer Kriegsheld lässt sich nicht abschrecken und geht der Sache auf den Grund. Im Wald entpuppt sich der Geist als der kleine Wanja. Dieser ist auf der Suche nach seiner Mutter, welche vom Zaren Wasserwirbel entführt wurde, da sie eine kunstvolle Stickerin ist. Angerührt vom Mut des Jungen beschließt der Soldat mit ihm gemeinsam auf die Suche zu gehen. Unterwegs treffen Sie den Zaren aller Meere und dieser begehrt die Trommel des Soldaten. Um in deren Besitz zu kommen, stimmt er einem Tausch zu – Wanjas Mutter gegen die Trommel. Im Reich des Zaren angekommen, will er von diesem Handel jedoch nichts mehr wissen. Wanja darf seine Mutter nur mitnehmen, wenn er sie erkennt. Natürlich ist das Angebot kein ehrliches. Zar Wasserwirbel lässt Marie, die Mutter von Wanja, von seiner Enkelin verzaubern und plötzlich steht der kleine Junge sechs Ebenbildern seiner Mutter gegenüber. Nun ist guter Rat teuer. Als die Enkeltochter erkennt, dass der Alte ein böses Spiel treibt, hilft sie Wanja, sodass er letztendlich seine Mutter findet. Damit beginnt eine rasante Flucht aus dem Wasserreich, denn auch das Mädchen möchte gern in der Menschenwelt leben. Doch Zar Wasserwirbel und seine Gehilfen, die Piraten und die Wetterhexe, versuchen mit allen Mitteln, dies zu verhindern …

Meine Lieblingsszene ist eindeutig die, als Wanja seine Wahl treffen muss. Da steht er, so klein und verloren, und will einfach nur seine Mama wiederhaben. Und wie sein Gesichtchen leuchtet, als er sie erkennt. Das ist so rührend, dass ich jedesmal heulen muss. Aber auch Zar Wasserwirbel find‘ ich so verkehrt nicht. Ein kleines bisschen fies und gemein, aber total trottlige Helfer. Über die Piraten lache ich immer wieder aufs Neue. Die einzelnen Figuren machen im Zusammenspiel den Charme der russischen Märchen aus. Auch bei den bösen Gestalten muss man sich nicht gruseln, sondern kann über diese lachen. Dieses Märchen spiegelt sehr gut die Werte wider, welche in der heutigen Zeit meiner Meinung nach etwas verloren gehen: Mitleid, Hilfe und Courage. Ich finde es sehr schade, dass das Märchen so selten gezeigt wird. Wahrscheinlich, weil es doch ein bisschen trauriger und melancholischer ist. Nichts desto trotz bleibt es mein Lieblingsmärchen!

Carmen

Regisseur: Alexander Rou
Filmtitel: Die verzauberte Marie
Erscheinungsjahr: 1960

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