Der Humor eines Nobelpreisträgers

© Foto: Kristina, 2016

Die „Biografie“ eines zunächst wenig erfolgreichen Schriftstellers im Interviewstil, eine Affäre mit einer verheirateten Frau und vermeintlich andere Weibergeschichten, das Ganze garniert mit Witz und Ironie. Sommer des Lebens von John Maxwell Coetzee versprach viel.

In den Jahren 2007 und 2008 macht sich der junge Biograph Mr. Vincent daran, die Geschichte des (nur im Buch) kürzlich verstorbenen Schriftstellers John Maxwell Coetzee niederzuschreiben. Da er Coetzee nie kennen gelernt hat, bittet er die vermeintlich wichtigsten Personen in dessen Leben, zu erzählen.

Los geht es nach ein paar Notizbuchfragmenten mit Julia, damals 26, verheiratet, eine Tochter. Sie begegnete John im Supermarkt und ein anderes Mal auf dem Heimweg. Sie kann nicht sagen, warum sie von da an den Kontakt zu ihm suchte: er war nicht attraktiv, ungepflegt, hatte eine Aura des Scheiterns an sich. Vielleicht war es die Tatsache, dass ihr Mann sie betrog und am Ende tat sie es ihm gleich. Wer jetzt auf Schilderungen heißer Nächte hofft, den muss ich enttäuschen.  Gefühlte Leidenschaft = Null. So ist man fast ein wenig erleichtert, dass ein vergessenes Kondom alles auffliegen lässt und kurz darauf das Kapitel wortwörtlich beendet ist. Auch die anderen Begleiter der Jahre 1972-1975 werfen ein seltsames Licht auf Coetzee. Keiner kannte ihn wirklich, keine der Frauen empfand Liebe für ihn. Und doch schien er sie emotional aufgewühlt zu haben.

Die liebe Karo sagt gern zu mir, ich sei eine „Unterhaltungsleserin“ (Sollte ich hier erwähnen, dass ich 50 Shades of Grey NICHT gelesen habe? ). Tja, als solche wurde ich vom Sommer des Lebens enttäuscht. Ein Buch, das mit irrwitzig, komisch und herzzerreißend beschrieben wird und auf diversen Plattformen so manchen Bewertungsstern eingeheimst  hat, weckt gewisse Erwartungen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten – aber war zuletzt immer noch nicht lacht, hat den Witz nicht verstanden … so auch ich.

Trotz allem bekommt man einen guten Eindruck von der Zeit der Apartheid, die unterschiedlichen Perspektiven sind mal etwas Anderes und obendrein erhält man noch Einblick in das Leben eines Nobelpreisträgers – wer das spannend findet, der könnte hier richtig sein.

Kristina

Autor: John M. Coetzee
Buchtitel: Sommer des Lebens

Übersetzung: aus dem Englischen von Reinhild Böhnke
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag

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