Oh dubidu – ich wäre gern wie du-hu-u!

© Foto: Karoline, 2017

Natürlich nutze ich mal wieder einen Weltenbummler-Monat, um meinen Schuber der Schande abzubauen. Doch was hatte er mir diesmal zu bieten? Meine Suche wurde mit Herrn Rudyard Kipling und seinem Kinderbuch-Klassiker Das Dschungelbuch belohnt. Generationen von Heranwachsenden haben vorm Heimkino gemeinsam mit King Louis und Balu gesungen, gelacht wenn Kaa eins auf den Deckel bekam und sich mit Mowgli vor Shir Khan gefürchtet. Doch kann die Originalvorlage mit der berühmten Disney-Verfilmung mithalten?

Die Geschichte ist bestimmt den allermeisten bekannt. Shir Khan greift eine Gruppe von Menschen an, wodurch das Kleinkind Mowgli vom Rest seiner Familie getrennt wird. Als der Kleine sich verirrt und in einer Wolfshöhle Schutz sucht, adoptieren dessen Bewohner ihn kurzerhand. Doch Mowglis künftige Rolle im Rudel ist umstritten, denn er ist kein wahrer Wolf. Zum Glück hat er Baghira und Balu als treue Gefährten und Lehrer. Sie zeigen dem Menschenkind gemeinsam mit seiner Wolfsmutter, was man tun muss, um im Dschungel zu überleben. Denn eines ist klar: Shir Khan wird sich holen, was ihm einst entkam.

Ich muss zugeben, dass der Inhalt mich überraschte. Auch wenn die Elemente, die später den Trickfilm ergeben, im Buch enthalten sind, so war die Geschichte viel ernster als von mir angenommen. So weiß nur der Leser des Originals, dass Baghira in Gefangenschaft unter Menschen aufwuchs, misshandelt wurde und später fliehen konnte, dass Kaa eine Verbündete von Baghira und Balu war, als sie Mowgli aus der Affenstadt retten wollten und dass die alte Schlange viel imposanter, mächtiger und gefährlicher ist, als die verniedlichte Disney-Lachnummer.

Das Dschungelbuch stammt aus den Jahren 1894/1895. Bei allen Vergleichen sollte man immer das Alter der Geschichten von Rudyard Kipling bedenken und welche Erziehungsmethoden in der damaligen Zeit herrschten. Was heute zu brutal und grausam für Kinder erscheint, war früher akzeptiert. Ein Beispiel dafür ist Balus Unterrichtsstil. Denn trotz der offensichtlichen väterlichen Liebe des Bären zum Menschenkind wird letzterer bei Nichtwissen gerne mal grün und blau gehauen. Auch Shir Khans Ende ist eher blutiger Natur, während in der abgeschwächten Disney-Variante nur das Ende der ersten Geschichte erzählt wird.

Doch Das Dschungelbuch hat noch viel mehr zu bieten, als nur die Abenteuer um den indischen Tarzan. So lernen wir auch die ambitionierte weiße Robbe Kotick kennen, die ihre Artgenossen vor dem Abschlachten retten möchte. Mit dem Jungen Tumai zähmen wir wilde Elefanten und sehen ihnen beim geheimen Dschungeltanz zu. Mein Liebling ist jedoch Rikki-Tikki-Tavi, der kleine Mungo, der ein ganz cleveres Kerlchen ist und es sogar mit bösen Kobras aufnimmt, um seine geliebte Familie zu retten.

Jede Geschichte wird von einem Gedicht und kleinen Bildern begleitet. Einige der Zeichnungen stammen von John Lockwood Kipling, dem Vater Rudyard Kiplings. Für seine genaue Beobachtungsgabe und Einbildungskraft erhielt der Schriftsteller Rudyard Kipling 1907 den damals noch jungen Nobelpreis für Literatur. Und doch ist die Geschichte um Mowgli und Shir Khan erst mit Disney wirklich unsterblich geworden.

Karoline

Autorin: Rudyard Kipling
Buchtitel: Das Dschungelbuch
Übersetzung: aus dem Englischen von Curt Abel-Musgrave
Illustrationen: von John Lockwood Kipling und William Henry Drake
Verlag: Axel Springer AG

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3 Gedanken zu “Oh dubidu – ich wäre gern wie du-hu-u!

    • Karoline schreibt:

      Ich hab es auch erst beim zweiten Anlauf geschafft… Man muss echt in der Stimmung sein und man darf sich kein reines Unterhaltungsbuch vorstellen… Kannst ja dann mal erzählen wie du es fandst 🙂

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