Der Kampf zwischen Ohnmacht und Zorn

© Foto: Georgia, 2018

Für unseren Indien-Monat hat kein Buch mein Interesse halten können und so habe ich mich einem Film gewidmet. Da ich mich nicht spoilern wollte, las ich lediglich die kurze Inhaltsangabe und bin davon ausgegangen, dass mich ein heiterer Frauenpower-Film erwartet. Frauenpower gab es definitiv und dazu eine emotionale Achterbahnfahrt. Unerwartete Wendungen und der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Dramatik haben meine Nerven arg beansprucht.

Sieben Frauen treffen sich in Goa. Die ehemaligen Kommilitoninnen kommen zusammen, um eine entspannte Zeit zu verbringen. Gastgeberin ist die Fotografin Frieda, die direkt am Anfang die Bombe ihrer bevorstehenden Hochzeit platzen lässt. Die Gäste sind mehr als überrascht, allen voran Chefin und Mutter Suranjana. Schließlich war Frieda immer unabhängig und von den Männern ihrer Branche hauptsächlich genervt. Mit von der Partie ist auch die Cousine der Braut. Frohnatur Joanna ist ein mehr oder weniger aufsteigendes Bollywood-Sternchen und sorgt für gute Laune. Auch Madhurita versucht sich, allerdings bisher wenig erfolgreich, als Sängerin im Showbiz. Dagegen ist die ehemalige Spitzenstudentin Pamela hauptberuflich Haus- und Ehefrau. Friedas Hausmädchen Laxmi integriert sich langsam aber sicher in die illustre Frauengruppe. Schließlich stößt noch die Umweltaktivistin Nargis dazu und die Runde ist komplett.

Was als zunächst friedliche und fröhliche Zusammenkunft beginnt, wird mit der Zeit dramatischer und verquerer. Frieda rückt einfach nicht mit der Sprache raus, wer denn nun der Bräutigam ist. Zwischen Suranjana und Nargis herrscht Krieg, da eine von ihnen eine luftverpestende Fabrik leitet und die andere dagegen protestiert. Es werden immer wieder neue Fragen aufgeworfen: Warum taucht Madhuritas Freund völlig panisch in Goa auf? Welche Hintergedanken versteckt Laxmi? Wie wird das alles enden? Ich finde es überaus beeindruckend, wie Zornige indische Göttinnen es schafft, mich innerhalb von 115 Minuten völlig aus der Bahn zu werfen und mit unerwarteten Handlungssträngen und Wendungen aufzuwarten. Kaum denke ich etwas durchschaut zu haben, ist alles ganz anders. Es gibt diverse aufmunternde und lustige Szenen. Aber auch viele, die mich zornig und bedrückt zurückließen. Der Film greift mehrere Themen hinsichtlich Gleichberechtigung, Unterdrückung und Emanzipation auf: beruflich erfolgreiche Frauen, das Pseudo-Ideal von Mutter und Hausfrau, sexueller Missbrauch und Strafverfolgung. Er schlägt dem Zuschauer auf den Magen und ist dabei durch und durch bewegend.

Ich hatte nicht mit diesem Handlungsverlauf gerechnet und obwohl es mich kalt erwischt hat, bin ich froh über Zornige indische Göttinnen gestolpert zu sein. Bestimmt werde ich lange darüber nachdenken und mir verstärkt ins Gedächtnis rufen, wie unterschiedlich die Zustände für Frauen in anderen Ländern sind. Zeitgleich hat mir der Zusammenhalt und die innere Stärke der Protagonistinnen Mut gemacht. Dieser Film ist überaus sehenswert, stellt euch aber auf ein emotional erschlagendes Finale ein.

Georgia

Regisseur: Pan Nalin
Filmtitel: Zornige indische Göttinnen
Erscheinungsjahr: 2016

Advertisements

Ein Gedanke zu “Der Kampf zwischen Ohnmacht und Zorn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.