Weihnachtliches Filmvergnügen

© Bild: Inkunabel, 2014

Morgen ist es wieder soweit: Weihnachten steht vor der Tür! Pünktlich zum Fest präsentieren wir euch unsere liebsten Weihnachtsfilme. Jahr um Jahr sehen wir sie uns mindestens einmal im Kreis unserer Lieben an. Für Abwechslung ist auch gesorgt, denn wir haben eine bunte Mischung zusammengestellt. Es geht von Verfilmungen von Kultbüchern aus den Sparten Klassiker und Kinderbuch, über zeitlose Märchen zu köstlichem Slapstick und der britischen Romantik-Komödie. Wir hoffen, es ist für jeden etwas dabei. Verratet uns doch auch euren Lieblingsfilm zu Weihnachten.


Weihnachtsgeschichte

© Bild: Ilke, 2014

A Christmas Carol, Verfilmung nach Charles Dickens

Weihnachten ohne die Weihnachtsgeschichte – das ist für mich undenkbar. Gemeint ist allerdings nicht die Erzählung über die Geburt von Jesus, sondern die herzerwärmende Geschichte über den geizigen Weihnachtsmuffel Ebenezer Scrooge.

Wie der Grinch hasst er Weihnachten, eigentlich hasst Scrooge so gut wie alles. Er ist herzlos, raffgierig und boshaft. Sein treuer Angestellter Bob Cratchit hat am meisten darunter zu leiden. Um einen freien Tag zu Weihnachten muss er regelrecht kämpfen; und unterbezahlt ist er ebenfalls. Dies geht bereits einige Jahre so und es würde auch noch so weitergehen, würde Scrooge nicht in eben dieser Heiligen Nacht unheimlichen Besuch erhalten. Zuerst erscheint ihm sein ehemaliger Geschäftspartner Jacob Marley, eingehüllt in einer langen, schweren Eisenkette, die er während seines Lebens geschmiedet hat. Er warnt Scrooge davor, sein Leben so fortzuführen, denn das wäre sein Untergang. Weiterhin kündigt er den Besuch von drei Geistern an. Scrooge allerdings hält die ganze Sache für Humbug. Doch einige Stunden später erscheinen nacheinander der Geist der vergangenen Weihnacht, der Geist der gegenwärtigen Weihnacht und der Geist der zukünftigen Weihnacht. Sie führen den zunächst abweisenden und skeptischen Scrooge durch seine bisherigen Weihnachtsfeste und zeigen weiterhin die Feiern von Scrooges Neffen Fred und vom Angestellten Cratchit. Nach und nach berühren die Ausflüge das kalte Herz von Scrooge. Als der Geist der zukünftigen Weihnacht dem Geizhals vor Augen führt, dass selbst sein Tod für alle eine Erleichterung ist, beschließt Scrooge, sein Leben grundlegend zu ändern.

Der Roman von Charles Dickens, der 1843 erstmalig veröffentlicht wurde, ist nach über 150 Jahren noch immer weltbekannt und beliebt. Es gibt immer wieder neue Ausgaben des Buches und zahlreiche Adaptionen. Zu meinen liebsten gehören die Verfilmung von 1999 mit Patrick Stewart als Scrooge und die Muppets Weihnachtsgeschichte von 1992. Obwohl ich die Handlung kenne, ist es immer wieder schön die Wandlung von Scrooge zu betrachten. Es gibt kein einheitliches Gut oder Böse; Stück für Stück ist zu beobachten, wie Ebenezers Herz immer mehr durch Einsamkeit und Armut erkaltet und wie es langsam wieder auftaut. Die Geister sind ganz unterschiedliche Charaktere und schaffen es mit ihrer jeweils eigenen Art Scrooge zu erreichen und ihre Botschaft zu übermitteln. Je nach Adaption bekommt die Geschichte zusätzlich eine sentimentale, lustige, herzliche oder wehmütige Note. Ilke


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© Foto: Karoline, 2014

Der Grinch, Ron Howard, 2000

Grün, haarig und boshaft: So kommt der grandios spielende Jim Carrey in meinem Weihnachtsliebling Der Grinch daher. Jedes Jahr aufs Neue schließe ich diesen Film über den Weihnachten hassenden Fiesling in mein Herz.

Der Grinch ist einfach so wunderbar ekelhaft und gemein. Er benutzt Zwiebeln als Deo, erschreckt arme Jugendliche, die seinen Berg erklimmen, zu Tode und verpackt die kleine Cindy Lou kurzerhand als ein Geschenk. Das junge Who-Mädchen hat jedoch Zweifel, dass der Grinch wirklich so gemein ist wie alle sagen – er hat ihr doch schließlich das Leben gerettet. Und überhaupt wundert sich Cindy Lou über die Verschwendungssucht und Aufopferung ihrer Eltern für ein perfektes Weihnachtsfest. Ihr Vater ist über beide Ohren mit Geschenken bepackt, ihre Mutter ist im Dekorationswahn und schraubt sogar die Kühlschranklampe ab, um mit der Nachbarin in Sachen Festbeleuchtung konkurrieren zu können. Kurzerhand steigt sie auf den verschneiten Berg zum Grinch und lädt ihn ein, Whovilles Feiertagsfestmeister zu werden. Als der Grinch jedoch beim Fest auf den verhassten Bürgermeister trifft, will er eine offene Rechnung begleichen und alles versinkt in einem weihnachtlichen Chaos – Geschenkeklau inklusive.

Einfach alles in dem Film schreit nach schrillem Märchen: die Kulisse, die Kostüme, der überdrehte Gesichtsfasching von Jim Carrey. Ausgleich dafür bietet die wunderbar tiefe, beruhigende Stimme des Erzählers. Dieser reimt sich (genau wie in der Kinderbuch-Vorlage von Dr. Seuss) durch den kompletten Film:

In einer Schneeflock‘, wie vom Himmel sie fällt,
geschah eine Geschichte – die unglaublichste der Welt.
Hoch oben in den Bergen, die Berge hießen Pontous,
lag die kleine Stadt Whoville, das ist die Heimat der Who’s. […]
Jeder Who dort in Whoville mochte Weihnachten sehr.
Doch dem Grinch in seiner Höhle, dem lag das sehr quer.

Besonders gefällt mir auch Christine Baranski in der Rolle der Martha May, die eine wirklich gute Figur macht. Für das fantastische Make-up erhielt Der Grinch 2001 einen Oscar. Und nach dem Film weiß wieder jeder, dass es zu Weihnachten nicht auf Geschenke und Prunk ankommt. Eindeutig ein Film zum Weinen – vor Lachen und vor Ergriffenheit. Karoline


© Foto: Carmen, 2014

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Václav Vorlíček, 1973

Weihnachten – Zeit der Besinnlichkeit, der Familie und der Ruhe. Zum Weihnachtsfest gehören für mich (Jahrgang 1961) die Märchen. Ob DEFA oder russische Märchen, das ist egal. Eines ist jedoch Pflicht: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Diese Co-Produktion von DEFA und dem Barrandov Studio Prag schaue ich mir mindestens einmal an. Dabei läuft sie bis zu 15mal in der Weihnachtszeit! Auch nach 41 Jahren hat dieser Märchenfilm nichts von seiner Faszination verloren. Ob einst mit 13 oder heute mit 53 Jahren, er IST für mich Weihnachten.

Es ist die altbekannte Geschichte vom Aschenbrödel, welches bei Stiefmutter und Stiefschwester ganz unten auf der Beliebtheitsskala steht. Dabei macht sie doch, was man ihr sagt und gibt keine Widerworte. Einzig der Schimmel Nikolaus, Hofhund Kasperle und eine Schatulle mit einer Brosche – versteckt in der Jagdhütte ihres Vaters und bewacht von Eule Rosalie – erinnern sie an ihre Eltern. Gemeinsam mit Nikolaus und Kasperle reitet sie durch den verschneiten Wald, trifft dabei den Prinzen und seine Freunde und ärgert diese gehörig.

Als Stiefmutter und -schwester zum Ball ins Schloss geladen werden, muss der Diener allerlei zur Verschönerung besorgen: Stoffe, Edelsteine usw. Gefragt, was sie sich wünscht, antwortet Aschenbrödel: „Bring mir das mit, was dir in den Schoß fällt.“ Auf der Rückfahrt fallen ihm drei Haselnüsse auf den Kopf und diese haben es in sich. Als Aschenbrödel die erste öffnet, erhält sie einen Jagdanzug. Gekleidet in diesem trifft sie erneut auf den Prinzen und ist der bessere Jäger! Bald findet der königliche Ball statt; natürlich möchte Aschenbrödel auch teilnehmen. Die Stiefmutter stimmt dem Wunsch zu, vermischt eine Schüssel Linsen und eine mit Mais. Erst, wenn diese sortiert sind, darf Aschenbrödel gehen. Aber ihre Freunde, die Tauben, helfen ihr. In einem Ballkleid aus der zweiten Nuss reitet sie danach zum Schloss. Beim Tanz mit dem Prinzen, der sich sofort in sie verliebt, will dieser wissen, wer sie sei. Sie stellt ihm ein Rätsel: „Die Wangen mit Asche beschmiert, aber der Schornsteinfeger ist es nicht. Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr!“ Als er es nicht lösen kann, flieht sie enttäuscht und verliert auf der Schlosstreppe ihren Schuh. Der Prinz findet ihn und macht sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mädchen. Erneut setzt die Stiefmutter alle Mittel ein, um den Prinzen zu betrügen, indem sie Aschenbrödel den Umhang wegnimmt und ihre „liebreizende“ Tochter damit ausstattet. Wie alle Märchen hat jedoch auch dieses ein Happy End. Angetan mit einem Brautkleid, aus der dritten Haselnuss, reitet Aschenbrödel zum Prinzen. Sie bekommt ihren Schuh wieder, der Prinz kann das Rätsel lösen und hat endlich seine Braut gefunden.

Ein altes Märchen, liebevoll nacherzählt, mit schönen Landschafts- und Tierbildern und einem Ohrwurm von Filmmusik. Ein liebenswertes Aschenbrödel (Libuse Safrankova), mit dem der Zuschauer mitfiebert und -leidet.  Wer tiefer in das Geheimnis einsteigen will, sollte sich die gleichnamige Dokumentation dazu anschauen. Gezeigt wird sie meist kurz vor Weihnachten im MDR. So erfährt man manches Filmgeheimnis; unter anderem, wie die Eule dazu gebracht wird, mit den Augen zu blinkern. Regisseur Václav Vorlíček hat sie einfach in den Hintern gepiekt! Carmen


© Foto: Georgia, 2014

© Foto: Georgia, 2014

Tatsächlich … Liebe, Richard Curtis, 2003

Welcher Film meiner Meinung nach auf gar keinen Fall an Weihnachten fehlen darf, ist die Romantik-Komödie Tatsächlich Liebe. Dieser Film fährt zunächst einmal mit einem grandiosen Repertoire an britischen Schauspielern auf. So sehen wir beispielsweise Alan Rickman, Hugh Grant, Colin Firth, Emma Thompson und Bill Nighy über den Bildschirm rauschen, um nur eine Auswahl zu nennen.

Es gibt neun Handlungsstränge, die auf die eine oder andere Art miteinander verknüpft sind, sei es durch Familienverhältnisse oder Freundschaften. Das Erzähltempo ist sehr angenehm, der Wechsel zwischen den Strängen ist immer passend und man kann den unterschiedlichen Geschichten gut folgen. Meine Lieblingsgeschichte dreht sich um Jamie und Aurelia. Jamie macht Urlaub in einem Ferienhaus und Aurelia kümmert sich um den Haushalt. Die beiden verlieben sich, doch dummerweise spricht er nur englisch und sie nur portugiesisch, Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Aber auch die anderen Handlungsstränge haben ihren Charme. Wir haben den frisch gewählten Premierminister David, der sich in Sachen Liebe liebenswert plump anstellt. Es gibt den in die Jahre gekommenen Rockstar Billy, der mit knallharter Ehrlichkeit versucht einen Weihnachtshit zu landen, während sein Manager im Hintergrund die Krise bekommt. Der introvertierte Mark scheint etwas gegen die Ehefrau seines besten Freundes zu haben, diese geht der Angelegenheit auf den Grund. Der Witwer Daniel versucht seinen Stiefsohn in Sachen Liebe zu unterstützen, während sie beide um Ehefrau und Mutter trauern. Familienvater Harry weiß nicht, wie er auf die Avancen der neuen, attraktiven Mitarbeiterin reagieren soll. Seine Ehefrau Karen ist unter anderem damit beschäftigt ein Hummerkostüm für das Krippenspiel ihrer Kinder zu schneidern. Sarah ist seit Jahren in ihren Kollegen verliebt, aber sie wird von ihrem psychisch kranken Bruder derart beansprucht, dass keine Zeit für Liebe bleibt. John und Judy lernen sich beim Dreh eines Pornos kennen, sie fungieren dort als Lichtdouble und lassen bereits beim ersten Treffen tief blicken. Schließlich gibt es noch Colin, der von den britischen Frauen verschmäht wird und nun sein Glück in Amerika versucht, dort ist er ja quasi Prinz William (nur ohne die lästige Verwandschaft).

Die einzelnen Geschichten ergänzen sich wunderbar. Außerdem wird das Geschehen von einem sehr schönen Soundtrack begleitet. Ein besonderer Song ist dabei der „Weihnachtshit“ von Billy. Aber auch die anderen Lieder und vor allem die Instrumentalmusik sorgen für eine passende Stimmung. Ich mag ja eigentlich keinen Kitsch, aber dieser Film verbindet Romantik, Witz und Drama sehr ansprechend miteinander und trotz der großen Anzahl von Charakteren haben sie mich alle auf ihre Art und Weise bezaubert. Georgia


© Foto: Katrin, 2014

Schöne Bescherung, John Huges, 1989

 Jedes Jahr aufs Neue am 24.12. schauen wir nach dem obligatorischen Kartoffelsalat mit Würstchen diesen Film. Eigentlich müssten sich nach all der Zeit die Witze längst abgenutzt haben, doch nein – gewisse Szenen sind einfach zu genial! Sie spiegeln auf wunderbar skurrile und übertriebene Weise Freud und Leid großer Familienzusammenkünfte zur Weihnachtszeit wider, die wahrscheinlich jeder ganz ähnlich bereits erlebt hat. Wenn die bucklige Verwandtschaft auftaucht, um einen hautnah mit ihren nervtötenden Eigenheiten zu konfrontieren, fühlt man sich schnell wie im Irrenhaus – das ist definitiv sozialer Sprengstoff!

Feiern wir also das Weihnachtsfest mit Familie Griswold: Vater Clark, seine Frau Ellen sowie der Nachwuchs Audrey und Rusty laden die nähere Verwandtschaft ein, um besinnliche Feiertage zu verbringen. Oder so. Spätestens nachdem der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer sozusagen explodiert ist, wird dem geneigten Zuschauer jedoch klar, was er die folgende Stunde erwarten darf. Hier stellt sich unweigerlich die Frage, wer Weihnachten – die Zeit der psychedelisch blinkenden Lichter, des emotionalen Drucks und mörderischen Stresses – zum Fest der Liebe ausgerufen hat. Kein Wunder, wenn die Realität mit diesem Anspruch nicht im Geringsten mithalten kann. Deshalb ist es schlichtweg verdammt beruhigend, sich gemeinsam mit den Lieben zurückzulehnen und einen solchen Klamauk anzuschauen. Während derlei Streitereien und Bösartigkeiten im wahren Leben alles andere als witzig sein können, darf hier in aller Schamlosigkeit hämisch gelacht werden: über Tanten mit verhornten Fersen, versnobte Nachbarn, stichelnde Schwiegereltern, Zerstörung fremden Eigentums oder die Stolperfallen festlich leuchtender Außen-Dekoration.

Von den allgegenwärtigen Reibereien und Gemeinheiten der Protagonisten untereinander, über diverse Geschmacklosigkeiten, bis hin zum obligatorischen Nervenzusammenbruch des Familienoberhauptes wird so ziemlich jedes weihnachtliche Klischee bedient. Bitte seid so nett und achtet auf meine Lieblingsszene. Wenn Vater Griswold mit manischem Blick und einer Kettensäge den Pfosten des Treppengeländers repariert, breche ich jedes Mal aufs Neue in irres Kichern aus. Zu gut kann ich den Ärmsten an diesem Punkt des Filmes verstehen. Schließlich hatte er sich in seiner wohlmeinenden Naivität alles ganz anders vorgestellt. Trotz des Sondereinsatzkommandos wird am Ende doch noch alles irgendwie gut. Da wischt man sich die letzten Lachtränen aus den Augenwinkeln und atmet erleichtert auf. Bis zum nächsten Weihnachtsfest eben. Katrin

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4 Gedanken zu “Weihnachtliches Filmvergnügen

  1. Schlopsi schreibt:

    Gestern kam ich endlich dazu, mir „Tatsächlich… Liebe“ anzusehen. Danach wurde die alte Maxi-CD von Wet wet wet wieder ausgekramt, aber ich konnte es nicht lange hören. Hatte ständig Bill Nighy vor Augen… 😉 Unerwarteterweise hat mich der Film auch komplett umgehauen. Am Ende lief doch tatsächlich eine kleine Träne über die Wange…

    An dieser Stelle wünsche ich euch frohe Weihnachten und besinnliche Festtage! 🙂

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