Wer hat schon wieder meine Couch vollgeblutet?

© Foto: Karoline, 2017

Zu Tode betrübt war ich vor drei Jahren, als 5 Zimmer Küche Sarg endlich in die deutschen Kinos kam, ich aber keine Zeit hatte hinzugehen. Nach nur wenigen Wochen war er wieder aus dem Programm gestrichen – mir wich schier das Blut aus den Adern! Daher schoss mein Puls in unendliche Höhen, als mein Freund die Blu-Ray organisierte. Eine todsichere Investition, denn dieser Film ist einfach grandios!

Ein Kamerateam darf für eine Dokumentation die WG von vier neuseeländischen Vampiren filmen. Der Erzähler ist Viago, der trotz seiner 379 Jahre immer noch nervtötend enthusiastisch ist. Der penible Vampir mit dem Wiener Akzent kümmert sich um die Verteilung der Haushaltsaufgaben und pocht auf Gemeinschaftsaktivitäten. Vladislav, der Stecher, und Dandy Deacon tragen zwar nichts zum Haushalt, dafür aber zum fragwürdigen Sexappeal der Dokumentation bei. Ob nun Folter-Verlies oder erotischer Tanz, sie geben alles! Die graue Eminenz der Junggesellenbude ist Petyr. Durch seine 8000 Jahre ist er längst jenseits von Gut und Böse, kann jedoch mittels Fauchen seiner Meinung deutlich Ausdruck verleihen. Im Verlauf stoßen Jungvampir Nick und sein appetitlich rotwangiger Freund Stu zur Gemeinschaft und runden das schräge Gespann ab.

Grundlegend folgt die Pseudo-Dokumentation keinem roten Faden. Anlass der Dreharbeiten ist der alle paar Jahre stattfindende Unheilige Maskenball, dieser tritt jedoch etwas in den Hintergrund. Vordergründig wird das mal graue, mal schillernde Leben eines normalen, assimilierten Vampirs in der heutigen Zeit wiedergegeben. Neben Alltagsstreitigkeiten, wer nun endlich nach fünf Jahren das blutige Geschirr abwaschen oder die Spinnweben entfernen sollte, müssen sich die WG-Mitglieder um ihren Hämoglobin-Haushalt kümmern, mit Werwölfen zurechtkommen, mehrere Freunde betrauern, Feste feiern und Meister-Diener-Verhältnisse pflegen. Der völlig unbedarfte Jungvampir Nick sorgt jedoch dafür, dass das geruhsame Unleben ordentlich aus dem Ruder läuft.

Jeder Bewohner trägt mit seiner einmaligen Art zum rundum gelungenen Film bei. Ein skurriler Moment folgt dem nächsten, stets gewürzt mit einer Prise Ernst und Selbstironie, wie schon der Hinweis zu Beginn des Filmes zeigt:

Jedes Mitglied der Filmcrew trug ein Kruzifix, es wurde ihm Unversehrtheit garantiert.

Die Schauspieler geben alles und überzeugen durch die Bank weg als integrationswillige Blutsauger. Kreative Special Effects, wie fehlende Spiegelbilder oder das Herumflattern als Fledermaus sind authentisch umgesetzt. Kleine Interview-Sequenzen lockern den Film auf und geben Aufschluss über die Lebenseinstellungen der Mitbewohner. Die alltäglichen Probleme eines durchschnittlichen Neuzeit-Vampirs sind derart nachvollziehbar, dass der Zuschauer meinen könnte, eine echte Dokumentation zu sehen.

Die Schauspieler Jemaine Clement (Vladislav, der Stecher) und Taika Waititi (Viago) sind gleichzeitig Regisseure des kurzweiligen 85-minütigen Films. Dass sie ein gut eingespieltes Team sind, zeigten sie bereits bei Flight of the Conchords und aktuell bei Vaiana – Das Paradies hat einen Haken, zu dem Waititi das Drehbuch schrieb.

Die unglaublich originellen Ideen und die qualitativ hochwertige Umsetzung stecken an. Mittlerweile konnte ich auch Kristina, Georgie und Katrin für diesen ungewöhnlichen Film begeistern. Kein Wunder, denn der Humor ist so scharfkantig wie der Eckzahn eines hungrigen Vampirs. Wer also in Zukunft Wellington besuchen möchte: Vorsicht! Hier treiben sich Vampire, Zombies, Werwölfe und Hexen herum. Besucht bloß nicht einen ihrer Bälle, sonst landet ihr noch als Hauptgewinn in der Tombola.

So geht nun auch unser sechster Weltenbummler-Monat zu Ende. Wie immer bin ich positiv überrascht über die vielfältige Auswahl meiner Inkunabel-Mitstreiter. Es fing mit einem Gruselfilm über Geister an und endet mit einer Pseudo-Doku über Vampire. Dazwischen lagen interkulturelle Harem-Geschichten, Walgeflüster, Videospiele, mysteriöse Schriftsteller und Goldgräber sowie Bienchen & Blümchen. Was uns wohl im September erwarten wird? Da geht es nämlich auf nach Spanien. In diesem Sinne: Adiós und bis bald!

Karoline

Regisseur: Jemaine Clement und Taika Waititi
Filmtitel: 5 Zimmer Küche Sarg
Erscheinungsjahr: 2014

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5 Gedanken zu “Wer hat schon wieder meine Couch vollgeblutet?

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